„Berliner Hummer“: Von der Plage zur Delikatesse

„Berliner Hummer“: Von der Plage zur Delikatesse


Im Frühjahr bedrohten eingewanderte Sumpfkrebse im Tiergarten heimische Arten. Inzwischen stehen die vermehrungsfreudigen Einwanderer auf der Karte vieler Restaurants.

Im Frühjahr bedrohten eingewanderte Sumpfkrebse im Tiergarten heimische Arten. Inzwischen stehen die vermehrungsfreudigen Einwanderer auf der Karte vieler Restaurants.

Text: Judith Jenner, Foto: Unsplash

Spaziergänger im Tiergarten staunten nicht schlecht: Denn im Neuen See schwammen in diesem Frühjahr und Sommer nicht nur Laub und Enten, sondern auch rot schimmernde Krebse. Einige Exemplare flanierten auch ganz selbstverständlich auf den Uferwegen. Die Tiere mit den mit Dornen besetzen Scheren gehören zu der Gattung der Roten Amerikanischen Sumpfkrebse (Procambarus clarkii). Sie vermehren sich schnell und fressen fast alles, was ihnen in den Weg kommt, vom Regenwurm bis zum Artgenossen. Aale und Waschbären sind einige ihrer wenigen natürlichen Feinde.

Schnell wurden die Einwanderer, die wahrscheinlich von Aquarienbesitzern im Tiergarten und im Britzer Garten ausgesetzt wurden, zur Plage. Die Behörden reagierten schließlich pragmatisch und erteilten als Gegenmaßnahme unter anderem einem Fischer die Lizenz zum Fangen der Krustentiere.

Seitdem steht das super-regionale Seafood auf der Karte verschiedener Gourmet-Restaurants: Im Mrs. Robinsons an der Pappelallee in Prenzlauer Berg werden sie – je nach Karte und Saison – „scharf gegrillt und mit Nussbutter genial in Szene gesetzt“, wie der Tagesspiegel im September berichtete. Im Pauly Saal serviert ihn Arne Anker mit Schweinskopf, Erbsen und Buttersauce. Wer es bodenständiger mag, probiert den Berliner Sumpfkrebs bei Fisch Frank in der Spandauer Altstadt.

Dass die eingewanderte Art durch die Fangerlaubnis endgültig aus den Berliner Gewässern verschwindet, hält die Naturschutzorganisation NABU für unwahrscheinlich. Doch für die Berliner Gourmet-Küchen sind die exotischen Einwanderer eine Bereicherung.

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