Claudia Frese: Digitalisierung ist eine Generationenaufgabe

Claudia Frese: Digitalisierung ist eine Generationenaufgabe


Als Claudia Frese 2014 zu MyHammer wechselte, befand sich das Unternehmen in einer schweren Krise. Die Digitalexpertin verpasste der Plattform ein neues Design – und ein neues Geschäftsmodell. Heute ist MyHammer das führende Handwerkerportal Deutschlands.

Als Claudia Frese 2014 zu MyHammer wechselte, befand sich das Unternehmen in einer schweren Krise. Die Digitalexpertin verpasste der Plattform ein neues Design – und ein neues Geschäftsmodell. Heute ist MyHammer das führende Handwerkerportal Deutschlands.

Text: Anke Bracht, Foto: CHL Photodesign für MyHammer

Das Geschäft mit dem Handwerk brummt. 2018 setzten die mehr als eine Million Handwerksbetriebe hierzulande laut Statista 612 Milliarden Euro um, ein Plus von fünf Prozent zum Vorjahr. Viel Potenzial für MyHammer, sagt CEO Claudia Frese. Die Digitalexpertin ist seit mehr als zwanzig Jahren in der Digitalwirtschaft tätig, u.a. als Head of Consumer Strategy bei ebay. 2013 stieß sie in einer Beraterfunktion zu dem Berliner Unternehmen, seit Mai 2015 ist sie Vorstandsvorsitzende und verantwortlich für die Bereiche Marketing, Business Development, IT, Produkt und Operations. MyHammer startete als eine Plattform, auf der Handwerker nach unten bietend Aufträge ersteigern konnten. Zwar wurden die Rückwärtsauktionen bereits 2006 abgeschafft. Erst unter Freses Führung hat sich das Unternehmen jedoch zu einem Marktplatz entwickelt, der für qualitativ hochwertige Handwerksleistungen steht. Das Spektrum reicht dabei von kompletten Baumaßnahmen über Reparaturen und Wohnungsrenovieren bis hin zu Umzügen. MyHammer ist in Deutschland und Österreich aktiv und finanziert sich über die Beitragszahlungen der registrierten Handwerker; für Auftraggeber ist die Nutzung des Portals kostenfrei. Die Mitarbeiterzahl stieg von 60 im Jahr 2015 auf inzwischen 120 an.

Größter Konkurrent ist immer noch die Mundpropaganda

Von einer weiteren positiven Geschäftsentwicklung ist die Vorstandsvorsitzende überzeugt: „Das Handwerk ist im Moment eine noch weitgehend analoge Branche. Das liegt sicherlich auch daran, dass die Auftragslage für Handwerker gerade sehr gut ist und sie keine Notwendigkeit für Veränderungen sehen“, sagt CEO Frese, „mittelfristig wird sich jedoch die Auftragsvergabe immer mehr ins Internet verlagern, denn dort sind die Kunden, die mittlerweile lieber online nach Dienstleistern suchen. Und die nächste Generation der Betriebsleiter ist mit dem Internet aufgewachsen und bewertet Risiken und Chancen ganz anders.“ Größter Konkurrent sei immer noch die Mundpropaganda; der Großteil der Aufträge werde nach wie vor über diesen Weg vergeben. „Wir bilden derzeit nur etwa 3 % des Marktes ab. Insofern haben wir genug Raum zu wachsen. Derzeit investieren wir deshalb vor allem in markenbildende Maßnahmen, arbeiten aber auch daran, unseren Kundenservice weiter ausbauen. Denn zufriedene Kunden sind das A und O in jedem Dienstleistungsgeschäft.“

Die Digitalisierung bleibt Herausforderung

Die Digitalisierung werde Deutschland in den kommenden Jahren vor weitere große Herausforderungen stellen: „Die Digitalisierung ist eine Generationenaufgabe. Diese Erkenntnis ist zum Glück mittlerweile zu den Entscheidungsträgern in Politik und Wirtschaft durchgedrungen. Jetzt geht es darum, die rechtlichen Rahmenbedingungen sicherzustellen und massiv in Bildung, Forschung und digitale Infrastruktur zu investieren. Nur dann kann Europa wettbewerbsfähig werden.“

 

Für alle Fragen rund um Ihr Vermögen steht Ihnen Roland Lis, Berater Privatkunden, Weberbank Actiengesellschaft, telefonisch und per E-Mail zur Verfügung: Tel.: (030) 897 98 – 403, E-Mail: roland.lis@weberbank.de

Sie möchten regelmäßig Neuigkeiten über erfolgreiche Start-ups, spannende Köpfe und ausgewählte Events in Berlin erhalten? Bestellen Sie jetzt unseren diskurs Newsletter.

Diesen Artikel empfehlen