Dr. Martin Heller: Kunst braucht Unternehmertum

Dr. Martin Heller: Kunst braucht Unternehmertum


Der Jurist Dr. Martin Heller hat sich einer Spezialdisziplin verschrieben. Er berät bildende Künstler und andere Kreative strategisch und rechtlich bei ihren unternehmerischen Entscheidungen. Und das mit großem Erfolg.

Der Jurist Dr. Martin Heller hat sich einer Spezialdisziplin verschrieben. Er berät bildende Künstler und andere Kreative strategisch und rechtlich bei ihren unternehmerischen Entscheidungen. Und das mit großem Erfolg.

Text: Anke Bracht, Foto: Dario-Jacopo Laganà

Es soll ja immer noch Professoren geben, die ihren Kunststudenten zum Taxiführerschein raten. Irgendwie muss die Miete schließlich reinkommen. Der Jurist und Berater Dr. Martin Heller hat da ganz andere Vorstellungen – und die teilt er sehr gerne mit einem Auditorium wie der Masterclass Fine Art an der Zürcher Hochschule der Künste. Seine Vorlesung „How to be an artist“ beleuchtet eindrucksvoll, wie eng künstlerisches Arbeiten und unternehmerisches Denken miteinander verwoben sein können – und sollten. „Jeder Künstler ist immer auch Unternehmer“, sagt Heller, „das ist leider immer noch ein großes Tabu.“ Seine Aufgabe sehe er darin, genau das zu ändern.

Vom Anwalt zum Berater

Als Martin Heller 1994 nach Berlin kommt, ist er noch als Anwalt tätig. Der Immobilienmarkt ist in Bewegung, überall entstehen Galerien. Einmal mehr erfindet sich die Hauptstadt neu – diesmal als Hotspot für bildende Kunst. Schnell erkennt er den Beratungsbedarf der Kunstschaffenden, die sich mit Galerien, Sammlern und Steuerberatern auseinandersetzen müssen. „Mit der ersten Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst 1998 ging es los“, erinnert sich Heller. Mit den Mandaten sei er quasi „ins kalte Wasser“ geworfen worden. Heute gewinnt er 90 Prozent seiner Mandanten durch Empfehlung. Und die werden immer mehr. Der Bedarf sei ungebrochen, sagt Berater Heller. Viele Künstler wüssten gar nicht, was bei einem Auftrag an Produktionskosten auf sie zukommen könne oder wie Verträge gestaltet werden müssten. Arm, aber sexy: Das Bild vom ebenso hoch begabten wie mittellosen Künstler, der sich wie eine Trophäe auf Vernissagen oder Dinners herumreichen lässt, scheint in den Köpfen von Sammlern und Galeristen immer noch tief verwurzelt zu sein.

Augenhöhe zwischen Künstler und Auftraggeber schaffen

Martin Heller begegnet diesem Denken mit Pragmatismus. „Es ist doch ganz einfach: Je stärker die wirtschaftliche Macht des Künstlers, desto besser kann er verhandeln.“ Um diese Macht zu manifestieren, reist der Berater um die Welt, agiert als „erster Filter“ bei Auftragsarbeiten, spricht mit potenziellen Kooperationspartnern, verhandelt über Logo- und Urheberechte. Dabei sieht er sich stets als Vermittler: „Ich will versuchen, die gleiche Augenhöhe zwischen Künstler und Auftraggeber, Institution oder Galerie herzustellen, durch größere Sicherheit und Kenntnisse über die Zusammenhänge bei den Künstlern. Die Kunst bewahrt ja immer die persönliche Freiheit des Individuums und ist dessen einzigartige Ausdrucksform. Die will ich sichern.“

Die Sprache der Künstler sprechen

Spannend sei das alles, sagt Heller, genau wie das Management oder die Nachlassverwaltung, mit der er immer wieder beauftragt werde. Namen nennt er nicht so gerne, Diskretion ist alles. „Bei meiner Arbeit geht es um Vertrauen“, sagt Martin Heller, „und darum, dass ich die Sprache der Künstler spreche.“ Eine persönliche Position zu Werken erlaube er sich nicht, aber ein Zugang zu der betreffenden künstlerischen Arbeit erleichtere natürlich vieles, räumt er ein. So mancher Künstler hätte auch schon angeboten, ihn mit einem Werk zu bezahlen. Aber das, sagt Martin Heller, käme auf keinen Fall in Frage, aus Prinzip. Ein leichtes Bedauern schwingt mit.

 

Für Fragen und weitere Informationen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung: Andrea Schruff, Private Wealth, Weberbank Actiengesellschaft, Tel: (030) 897 98 – 514, andrea.schruff@weberbank.de

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