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Die Herausforderungen auf dem Weg zurück zur Normalität: Lesen Sie den Kommentar von Sascha Rehbein, Portfoliomanager Weberbank, zu den Folgen des Coronavirus für die Finanzmärkte vom 24. April 2020.

Die Herausforderungen auf dem Weg zurück zur Normalität: Lesen Sie den Kommentar von Sascha Rehbein, Portfoliomanager Weberbank, zu den Folgen des Coronavirus für die Finanzmärkte vom 24. April 2020.

Text: Sascha Rehbein, Portfoliomanager Weberbank Actiengesellschaft
Foto: Fabio Bracht / Unsplash

Ein erstes Aufatmen sei an dieser Stelle erlaubt: Es zeichnet sich glücklicherweise zunehmend eine Verbesserung der gesundheitlichen Lage ab. In Europa geht das Wachstum der Neuinfektionen deutlich zurück und das öffentliche Leben bewegt sich mit langsamen Schritten in Richtung Normalisierung. Die Kapitalmärkte bleiben allerdings schwankungsanfällig. Der massive Ölpreisverfall, düstere Unternehmensausblicke und einbrechende Frühindikatoren haben die Erholungsbewegung vorerst gestoppt. Wie wir die aktuelle Situation einschätzen und welche Rückschlüsse wir für die kommenden Wochen ziehen, lesen Sie in dieser Ausgabe von „Finanzmarkt aktuell“.

 

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Zurück zur Normalität – Es wird nicht einfach werden!

Hierzulande durfte in dieser Woche der Einzelhandel unter Auflagen seine Türen für die Kundschaft öffnen. Es wird aber voraussichtlich noch eine Weile dauern bis Normalität herrscht, da das gesundheitliche Risiko weiterhin gegeben ist und in der Gesellschaft dementsprechend Verunsicherung herrscht. Dies können wir auch am Beispiel der chinesischen Normalisierung ableiten. Seit März belebten sich die chinesische Wirtschaft und das öffentliche Leben, doch Konsumentenumfragen zeigen weiterhin hohe Zurückhaltung bei Restaurantbesuchen und diversen Freizeitaktivitäten. Das wird in der westlichen Welt nicht anders sein. Für die Unternehmen erhöht sich allerdings der Druck von Woche zu Woche. Die gestern veröffentlichten Frühindikatoren haben einen historischen Stimmungseinbruch in Europa gezeigt. Weder die Finanzkrise noch das Platzen der Technologie-Blase hat zu solchen Verwerfungen geführt. Aus unserer Sicht besteht aber weiterhin die Chance einer deutlichen Erholung der Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte. Von entscheidender Bedeutung hierfür ist, dass die Lockerungen nicht zu schnell durchgeführt werden und somit ein erneuter bundesweiter Ausbruch des Coronavirus verhindert werden kann.

Vorsicht bei Finanzprodukten auf Öl

Obwohl in den USA die Lockerungsmaßnahmen schon hitzig diskutiert werden, sind die Neuinfektionszahlen im Vergleich zu Europa noch nicht im gleichen Maße gefallen. Die US Politik hat in dieser Woche mit einem neuen Hilfsprogramm in Milliardenhöhe den Druck auf die Mittelständler und das Gesundheitssystem etwas reduziert und damit erneut den starken Willen gezeigt, die heimische Wirtschaft großzügig zu unterstützen. In den USA liegt das öffentliche Leben ebenso am Boden wie in Europa. Das lässt sich gut an den Mobilitätsdaten der Bevölkerung ablesen. So sind die Besucherzahlen im Einzelhandel um knapp die Hälfte zurückgegangen, ähnlich sieht es bei den öffentlichen Verkehrsmitteln aus, und den Weg zur Arbeit haben nur noch knapp 60 Prozent angetreten. Dieser deutliche Rückgang der Mobilität hat zu einem Nachfrageeinbruch von Ölprodukten, wie beispielsweise Benzin, geführt. Immerhin stammen gut 40 Prozent der Ölnachfrage allein vom Straßenverkehr. Gleichzeitig sind die US-Öllager gut gefüllt und können somit die täglich neuproduzierten Massen an Schweröl nicht auffangen. In diesem Umfeld Abnehmer zu finden, fällt schwer. Das war in dieser Woche besonders am Terminmarkt zu spüren, an dem der Preis für Öl bestimmt wird. Investoren, die sich verpflichtet hatten, Öl im Mai physisch abzunehmen, verfielen in Panik, da sowohl die Nachfrage als auch die Lagerkapazitäten sehr gering blieben. In diesem Umfeld sind die Investoren bereit gewesen, sogar negative Preise zu akzeptieren – bis zu Minus $40 in der Spitze! Die hohen Preisschwankungen und die damit einhergehende Unsicherheit werden aus unser Sicht zumindest über die kommenden Monate voraussichtlich noch anhalten – analog zur Normalisierung der Weltwirtschaft. Daher raten wir zur Vorsicht bei vermeintlichen „Schnäppchenkäufen“ von Finanzprodukten auf Öl. Die komplexe Gestaltung dieser Produkte bringt es mit sich, dass Anleger selbst bei einer deutlichen Erholung des Ölpreises derzeit kaum partizipieren werden.

Verschnaufpause am Aktienmarkt

Nach einer deutlichen Erholungsbewegung seit Mitte März ist dem europäischen Aktienmarkt zuletzt etwas Momentum verloren gegangen. Aber auch am US-Aktienmarkt hat der massive Ölpreisverfall zwischenzeitlich seine Spuren hinterlassen. Zusätzlich zeigt die bereits laufende Bilanzsaison deutliche Einschläge in den Unternehmensbilanzen aufgrund der globalen „Lockdowns“. Dementsprechend haben auch die Analysten ihre Gewinnerwartungen für Industrieunternehmen, aber auch für den Banken- und Energiesektor deutlich nach unten korrigiert. Den Banken drohen wegen des wirtschaftlichen Einbruchs erhöhte Abschreibungen auf ihre Kreditbücher, und die massiven Renditerückgänge trüben den Zinsertrag. Wir nehmen weiterhin Abstand von diesen Sektoren und bevorzugen bonitätsstarke Pharmatitel oder Unternehmen aus dem nichtzyklischen Konsum. Ergänzend sind Titel aus dem Technologiebereich in unseren Augen aussichtsreich.

Politik dominiert den Rentenmarkt

Die treibende Kraft am Rentenmarkt bleibt die Notenbankpolitik. In den USA wird die Fed ihre Bilanz verdoppeln und dabei nicht nur umfangreiche Anleihekäufe durchführen, sondern auch Bankkredite von mittelständischen Unternehmen aufkaufen. Die EZB versucht durch einen umfangreichen Eingriff in den Staatsanleihemarkt, den Abverkauf der europäischen Peripherieländer zu verhindern. Diese stehen aufgrund der zähen Verhandlungen auf EU Ebene durch die Schuldenexplosion unter Druck. Aus unserer Sicht kann eine Wiederholung der europäischen Schuldenkrise nur durch eine Form von Vergemeinschaftung der neuen Schulden verhindert werden. Im aktuellen Umfeld empfehlen wir weiterhin defensiv positioniert zu bleiben. Das bedeutet bei Staatsanleihen die hochverschuldete europäische Peripherie- oder bonitätsschwache Schwellenländer, insbesondere aus Lateinamerika, zu meiden. Ebenso halten wir es für verfrüht Opportunitäten im bonitätsschwachen Segment der Unternehmensanleihen und insbesondere in ölproduzierenden Emittenten zu suchen. Noch ist es zu schwer abzusehen, welche Zweitrundeneffekte der massive Eingriff in die freie Marktwirtschaft mit sich bringen wird.


Sascha Rehbein, Portfoliomanager Weberbank

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