Finanzmarkt aktuell – der Kommentar der Weberbank

Finanzmarkt aktuell – der Kommentar der Weberbank


Trotz der Sommerferien machen die Finanzmärkte keine Pause und werden durch Politik und Zentralbanken auf Trab gehalten. Dabei sind die zugrundeliegenden Einflussfaktoren vielfältig und nicht immer leicht zu durchschauen. Eine Einordnung der aktuellen Situation lesen Sie in dieser Ausgabe von Finanzmarkt aktuell.

Trotz der Sommerferien machen die Finanzmärkte keine Pause und werden durch Politik und Zentralbanken auf Trab gehalten. Dabei sind die zugrundeliegenden Einflussfaktoren vielfältig und nicht immer leicht zu durchschauen. Eine Einordnung der aktuellen Situation lesen Sie in dieser Ausgabe von Finanzmarkt aktuell.

Text: Jan Nießen, Foto: Aditya Vyas/Unsplash

Hält Trump was er verspricht?

In der für ihn eigenen Art versprach US-Präsident Donald Trump, dass der volkswirtschaftliche Schaden, den er China durch die Einführung von Zöllen auf diverse Produkte zufüge, auf der anderen Seite ein Gewinn für Amerika in Höhe von mehreren Milliarden US-Dollar sei. Dies erkläre sich aus seiner Sicht dadurch, dass viele Unternehmen ihre Produktion aufgrund der gestiegenen Kosten aus China abziehen und in die USA verlagern könnten. Ersten Zahlen zufolge, scheint Trump seine Rechnung hier ohne den Wirt, bzw. in diesem Fall die produzierenden Unternehmen, gemacht zu haben. So sieht es zwar aktuell danach aus, dass tatsächlich einige Firmen den Standort wechseln, es diese aber eher in andere Niedriglohnländer im asiatischen Raum zieht. Somit lassen sich außer höheren Preisen für die Konsumenten keine Effekte auf die USA verzeichnen und erst recht keine positiven. Immerhin scheint die Annäherung zwischen den beiden Großmächten auch in dieser Woche voranzuschreiten und die Chance auf eine Fortsetzung der persönlichen Gespräche zwischen den Verhandlungsführern ist greifbar. Trotz dieser etwas positiveren Aussicht bleiben wir aus zwei Gründen vorsichtig. Erstens bewies der US-Präsident erst in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch wieder, dass seine Launen unberechenbar sind. So soll er vor seinen Kabinettsmitgliedern gesagt haben, dass er jederzeit neue Zölle auf chinesische Produkte erheben könne, sollte China nicht damit beginnen, wieder mehr amerikanische Agrarprodukte zu kaufen. Dementsprechend bleibt eine Vereinbarung im Handelskonflikt aus unserer Sicht solange unsicher, bis ein unterschriebener Vertrag vorliegt. Zweitens dürfte sich Trump zeitnah neuen „Projekten“ zuwenden und seine Aufmerksamkeit auf die europäisch-amerikanischen Zollvorschriften richten, was vor allem für die deutsche Automobilindustrie zum Problem werden könnte.

Versprechen die Zentralbanken zu viel?

Diese anhaltende Unsicherheit hat sich auch auf die gesamtwirtschaftlichen Aussichten niedergeschlagen. Bemerkbar machte sich dies besonders an den Schwierigkeiten der Industrieunternehmen, die unter rückläufigen Auftragseingängen zu leiden hatten und somit ihre bislang für dieses Jahr gemachten Wachstumsprognosen nach unten korrigieren mussten. Zum Glück interpretieren die großen Zentralbanken in Europa und den USA ihren Auftrag dahingehend, dass sie zwar einerseits die Inflation im Zaum halten, andererseits aber auch das Wachstum unterstützen müssen. Dementsprechend vollzogen die besagten Institutionen auf beiden Seiten des Atlantik zuletzt eine Kehrtwende und kündigten an Zinssenkungen noch in diesem Jahr offen gegenüberzustehen. Zusätzlich ging Mario Draghi an der Spitze der EZB noch einen Schritt weiter und schloss eine erneute Ausweitung der Käufe von Staats- und Unternehmensanleihen nicht aus. Dies löste Begeisterung sowohl an den Aktien-, als auch an den Anleihemärkten aus und verursachte eine Kursrally über diverse Anlageklassen hinweg, von der nicht zuletzt auch Gold aus seiner Lethargie gerissen wurde und deutlich an Wert gewann. Offensichtlich nimmt der Markt also schon viel von den künftigen Handlungen vorweg und dementsprechend hoch dürften die Erwartungen an die nächsten Zentralbankentscheidungen, welche noch im Laufe dieses Monats erfolgen, sein. Allerdings birgt dies auch ein nicht zu vernachlässigendes Enttäuschungspotential. Sollten die Maßnahmen zur Stützung der Wirtschaft weniger offensiv ausfallen als erwartet, ist in allen Märkten mit erheblichen Kursrücksetzern zu rechnen.

Ist die Kursrally weiterhin vielversprechend?

Diese Frage stellen sich aktuell viele Investoren, nachdem die US-amerikanischen Aktienmärkte neue Rekordstände erreichten und gleichzeitig die Renditen von 10-jährigen deutschen Staatsanleihen erstmals unter den Einlagenzinssatz der Europäischen Zentralbank fielen. Zu groß ist die Angst davor, genau an den Höchstkursen zu kaufen und in der Folge Verluste erleiden zu müssen. Während diese Sorge natürlich berechtigt ist, sollten die Chancen nicht außer Acht gelassen werden. Wie erwähnt werden die aktuellen Kursanstiege zu einem nicht unerheblichen Teil von der Hoffnung auf eine Intervention der Zentralbanken genährt. Sollte diese tatsächlich erfolgen und die gesamtwirtschaftlichen Daten im Anschluss wieder einen positiveren Trend aufweisen, dürfte der Grundstein für eine angenehme zweite Jahreshälfte an den Kapitalmärkten gelegt sein. Da hier allerdings eine Vielzahl schwer abzuschätzender Faktoren eine Rolle spielt, bleibt es ratsam, bei der Aufstellung des eigenen Portfolios defensive Titel zu berücksichtigen und gleichzeitig einen Kassenanteil vorzuhalten. Dieser hat den Vorteil, dass einerseits Schwankungen des Marktes abgemildert werden und andererseits bei sich aufhellender wirtschaftlicher Lage schnell auf attraktive Kaufgelegenheiten reagiert werden kann.

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