Finanzmarkt aktuell – der Kommentar der Weberbank

Finanzmarkt aktuell – der Kommentar der Weberbank


Die Rezessionssignale für die deutsche Wirtschaft werden zahlreicher, die Auftragseingänge für Investitionsgüter in Europa gehen weiter zurück und damit schwindet auch das Vertrauen in die Industrie. Und selbst in den wirtschaftlich starken USA ist die Stimmung unter den Einkaufmanagern im produzierenden Gewerbe auf den niedrigsten Stand seit 2009 abgesunken. Steht uns damit ein ähnlich schwacher Aktienmarkt wie im vierten Quartal 2018 bevor und sollten Aktieninvestoren jetzt die aufgelaufenen Gewinne sichern? Unsere Einschätzung zu dieser und weiteren Fragen lesen Sie in der heutigen Ausgabe von „Finanzmarkt aktuell“:

Die Rezessionssignale für die deutsche Wirtschaft werden zahlreicher, die Auftragseingänge für Investitionsgüter in Europa gehen weiter zurück und damit schwindet auch das Vertrauen in die Industrie. Und selbst in den wirtschaftlich starken USA ist die Stimmung unter den Einkaufmanagern im produzierenden Gewerbe auf den niedrigsten Stand seit 2009 abgesunken. Steht uns damit ein ähnlich schwacher Aktienmarkt wie im vierten Quartal 2018 bevor, und sollten Aktieninvestoren jetzt die aufgelaufenen Gewinne sichern? Unsere Einschätzung zu dieser und weiteren Fragen lesen Sie in der heutigen Ausgabe von „Finanzmarkt aktuell“.

Text: Jens Herdack, Foto: Deutsche Börse AG

Déjà vu 2018?

Das vierte Quartal letzten Jahres wird vielen Aktieninvestoren noch in schlechter Erinnerung sein. Damals musste der Dax einen empfindlichen Kursverlust von fast 15 Prozent hinnehmen. Seit Jahresbeginn liegt der Index der deutschen Spitzentitel hingegen wieder 15 Prozent im Plus. Gleichzeitig mehren sich die Rezessionssignale für die deutsche Wirtschaft. Und auch auf europäischer Ebene sieht es nicht sehr viel besser aus. So beobachten wir einen deutlichen Rückgang der Wirtschaftsstimmung, also der Erwartungen für die Entwicklung der europäischen Wirtschaft in den nächsten Monaten. Zusätzlich trüben sich auch die realen Kennzahlen der wirtschaftlichen Aktivität wie beispielsweise die Auftragseingänge, der Autoabsatz und die Industrieproduktion sichtbar ein. Wäre es da nicht folgerichtig, den Großteil der Aktienbestände zu verkaufen und sich an den Rand zu stellen, um sich nicht der Gefahr auszusetzen, die bisher in diesem Jahr aufgelaufenen Gewinne wieder zu verlieren?

Kassehaltung und Gold: JA – Aktien verkaufen: NEIN

Wir glauben, nein! Zwar betonen auch wir die Notwendigkeit einer defensiveren Positionierung im aktuellen Marktumfeld, wir sehen aber einen deutlichen Unterschied im Vergleich zur Situation des vierten Quartals 2018. Denn während noch vor einem Jahr die Notenbanken dabei waren, ihre expansive Geldpolitik aufzugeben und die europäische Zentralbank (EZB) ihr Anleihekaufprogramm beendete, erleben wir aktuell eine Umkehr. So verkündete EZB-Präsident Mario Draghi eine erneute Zinssenkung und eine Wiederaufnahme der Anleihenkäufe, um wieder mehr Liquidität in die Märkte zu pumpen. Gleichzeit senkte zuletzt auch die US-Notenbank (Fed) ihren Leitzins. Und ein Blick in die Welt zeigt fast einheitlich Notenbanken im Zinssenkungsmodus. Das dürfte auch der Grund dafür sein, dass die Aktienindizes zuletzt weitere Kursanstiege zeigten. Die konzertierte Liquiditätsbereitstellung der Notenbanken ist in ihrer Wirkung nicht zu unterschätzen. Es kann durchaus sein, dass mit Aktien Kursgewinne eingefahren werden, obwohl die Wirtschaft fundamental eher schwächelt, zumal die Stimmung im Dienstleistungssektor und bei den Konsumenten nach wie vor gut ist. Aktieninvestoren sehen wir aktuell also nicht im Zugzwang, ihre Positionen zu verkaufen. Trotzdem halten wir eine defensivere Positionierung mit einer gewissen Kassequote und Beimischung von Gold für opportun. Denn neben der wirtschaftlichen Thematik lauern weiterhin auch zwischenzeitliche Fallstricke von politischer Seite: Der Brexitstreit geht in die Verlängerung. Im Handelskrieg der USA mit China waren zuletzt sogar Gerüchte zu vernehmen, nach denen das Listing von chinesischen Unternehmen an amerikanischen Börsen bzw. die Investition von amerikanischen Investoren in chinesische Unternehmen auf den Prüfstand der Trump’schen Regierung gesetzt werden könnten.

Niedrigzinsen ohne Ende

Auch die Anleihenmärkte werden durch den massiven Liquiditätsschub weiter befeuert. Dabei übertreffen die Quantitative Easing (QE) genannten Anleihenkäufe in ihrer Wirkung sogar die Zinssenkungen der EZB. Immerhin wird die EZB auf Einjahressicht für ungefähr 600 Mrd. Euro Anleihen am Markt aufkaufen. Denn neben dem neu beschlossenen Kaufprogramm werden auch endfällige Anleihen des letzten Kaufprogrammes wieder durch neue ersetzt. Somit werden die Anleiherenditen weiter niedrig gehalten. Den Investoren fällt es immer schwerer, gegen den Kaufdruck der EZB anzukommen und selber geeignete Papiere zu erwerben. In einem solchen Umfeld sollten sich Unternehmensanleihen besonders positiv entwickeln können. So gingen die Risikoaufschläge im Verlauf des letzten Kaufprogrammes der EZB sukzessive zurück, was zusammen mit dem allgemeinen Renditerückgang gleichbedeutend mit Kursgewinnen für den Anleger ist. Auch dieses Mal könnten die Investoren von einer solchen Entwicklung profitieren. Insgesamt befinden wir uns also weiter in einem herausfordernden Kapitalmarktumfeld. Aber, um eine alte Börsenweisheit zu bemühen: „Climbing the Wall of Worries“, also „eine Wand aus Sorgen zu erklimmen“ führt häufig zu längeren und vor allem stabileren Kursanstiegen, als eine schnelle sorglose Kursrallye. Denn in einem solchen Umfeld überlegen sich die Investoren ganz genau, in welches Unternehmen sie ihr Geld investieren wollen. Und damit bieten unseres Erachtens taktische Einzelinvestments unterstützt von massiver Notenbankliquidität mehr Potential, als man ihnen mit Blick auf die fundamentale volkswirtschaftliche Entwicklung vielleicht zutrauen würde. Kasse und Gold helfen, die zwangsläufig in einer solchen Phase auftretenden starken zwischenzeitlichen Schwankungen zu mildern.

 

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