Finanzmarkt aktuell – der Kommentar der Weberbank

Finanzmarkt aktuell – der Kommentar der Weberbank


Kaum zu glauben, aber wahr: Der Jahresanfang 2020 brachte schon in der ersten Woche eine erstaunliche Schwankungsbreite des Dax-Index‘ von fast 4,5 Prozent mit sich. Der Ölpreis stieg zwischenzeitlich um über 8 Prozent an, nur um in der Folge wieder um über 9 Prozent zurückzufallen. Die Hintergründe zu diesem schwankungsreichen Jahresauftakt lesen Sie in der heutigen Ausgabe von Finanzmarkt aktuell.

Kaum zu glauben, aber wahr: Der Jahresanfang 2020 brachte schon in der ersten Woche eine erstaunliche Schwankungsbreite des Dax-Index‘ von fast 4,5 Prozent mit sich. Der Ölpreis stieg zwischenzeitlich um über 8 Prozent an, nur um in der Folge wieder um über 9 Prozent zurückzufallen. Die Hintergründe zu diesem schwankungsreichen Jahresauftakt lesen Sie in der heutigen Ausgabe von Finanzmarkt aktuell.

Text: Jens Herdack, Foto: Pixabay

Volatilität sollte 2020 zurückkommen…

…titelten wir in der Jahresschlussausgabe 2019 von Finanzmarkt aktuell. Als Auslöser vermuteten wir die US-Politik oder Notenbank-Aktivitäten. Dass sich diese Vermutung so schnell bewahrheiten würde, hätten auch wir aber nicht erwartet. Ausgelöst durch die gezielte Tötung des iranischen Generals Qasem Soleimani im Auftrag der US-Regierung dominierte erneut die Angst das Börsengeschehen der ersten Handelswoche des Jahres und sorgte damit für eine auffällig große Schwankungsbreite vieler Kurse. In direkter Reaktion schoss der Ölpreis um über 8 Prozent in die Höhe, da Risiken bezüglich der Ölversorgung eingepreist wurden. Denn neben der irakischen Ölproduktion in Höhe von ca. 4 Millionen Fass am Tag treibt die Marktteilnehmer auch die Furcht um, dass der Iran die Öltransporte durch die Straße von Hormus behindern könnte. Durch diese Meeresenge am persischen Golf werden rund 17 Millionen Fass pro Tag bzw. 17 Prozent der globalen täglichen Ölnachfrage transportiert. Ein höherer Ölpreis würde im weiteren Verlauf die Wirtschaft belasten, und somit reagierten auch die Aktienmärkte mit Kursverlusten. Umgekehrt stiegen die Preise von Anlageklassen, die als „sichere Häfen“ gelten. So legte der Goldpreis seit Jahresbeginn zwischenzeitlich um 6 Prozent zu, und die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen schrumpfte aufgrund der großen Nachfrage wieder auf Minus 0,3 Prozent. So schnell die Sorgen gekommen waren, so schnell scheinen sie aber auch schon wieder abzuklingen. Nachdem Hoffnung besteht, der Iran beschränkt seine Rache auf die Bombardierung zweier US-Militärbasen im Irak, kündigte auch Präsident Trump keine weiteren Militärschläge mehr an. In der Folge fiel der Ölpreis sogar unter sein Jahresanfangsniveau zurück. Gold konnte jedoch Teile seiner Kursgewinne verteidigen. Vice versa erholten sich die Aktienmärkte.

Der Aktienmarkt ist wie ein Schaufenster beim Juwelier: nicht ganz billig, aber attraktiv

Ein Blick auf die fundamentalen Wirtschaftsdaten kann die geschilderten Entwicklungen an den Märkten sehr gut erklären: So ist im ersten Quartal 2020 eine deutliche Überversorgung des globalen Ölmarktes zu erwarten, da die OPEC mit ihren jüngsten Kürzungsbeschlüssen den Überhang der Produktion gegenüber der aktuellen globalen Nachfrage nicht vollständig ausgleichen kann. Das spricht eher gegen einen deutlichen Anstieg des Ölpreises aus fundamentaler Sicht. Gold hingegen war auch schon im letzten Jahr gefragt. So lag die Nachfrage von Investoren nach goldunterlegten Anlageprodukten auf einem sehr hohen Niveau, und die Notenbanken kauften Gold in einem Umfang, den man seit der Nixon-Ära der 70er Jahre nicht mehr gesehen hatte. Die Aktienmärkte werden ihrerseits durch die weiter auskömmliche Liquiditätsbereitstellung der Notenbanken unterstützt. So kauft die US Notenbank weiterhin kurzlaufende Staatsanleihen im Volumen von monatlich 60 Mrd. USD, und die europäische Zentralbank Anleihen im monatlichen Gegenwert von 20 Mrd. Euro. Da die Gewinnschätzungen im letzten Jahr bei steigenden Kursen jedoch deutlich zurückgingen, befinden sich die Aktienbewertungen zu Beginn dieses Jahres auf im Vergleich zum Vorjahr erhöhtem Niveau. Da ist es verständlich, dass die Aktienmärkte sehr nervös auf jegliche Art von Ereignissen reagieren, die die konjunkturelle Entwicklung gefährden könnten. Denn ein Anstieg der Gewinne im Zusammenspiel mit wieder steigenden Auftragszahlen und einer sich erholenden Industrieproduktion würde zunächst die Basis für weitere Kursanstiege legen, auch wenn diese aufgrund der gestiegenen Bewertungsniveaus wahrscheinlich nicht so hoch wie im letzten Jahr ausfallen werden.

Schaufenster ohne interessante Angebote – der Rentenmarkt

Renteninvestoren sehen sich weiter großen Herausforderungen gegenüber. Während vor Jahresfrist wenigstens Rentensatellitensegmente wie Hochzins- oder Schwellenländeranleihen noch attraktive Renditeniveaus aufwiesen, sind auch diese inzwischen weitestgehend abgegrast. Leider hat sich dieser Trend kurz vor Jahresende noch einmal beschleunigt. Selbst Anleihen geringerer Bonität weisen kaum noch attraktive Renditeaufschläge im Vergleich zu besseren Bonitäten auf. Will der Anleihen-Investor sein Risiko nicht deutlich steigern, wird er im Jahr 2020 wohl mit geringeren Erträgen leben müssen, als es im letzten Jahr noch möglich war.

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