Finanzmarkt aktuell – der Kommentar der Weberbank

Finanzmarkt aktuell – der Kommentar der Weberbank


In einem beliebten Skigebiet in der Schweiz, da, wo’s trotz Klimawandels noch schneit, traf sich in dieser Woche bereits zum 50. Mal das Who‘s who aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft, um über aktuelle Fragen zu diskutieren. In diesem Jahr zogen sich die Themen Nachhaltigkeit und Klimawandel durch das Programm, was nicht zuletzt auch daran lag, dass der kurz zuvor veröffentlichte Global Risk Report des Weltwirtschaftsforums die Gefahren des Klimawandels in aller Deutlichkeit benannte.

In einem beliebten Skigebiet in der Schweiz, da, wo’s trotz Klimawandels noch schneit, traf sich in dieser Woche bereits zum 50. Mal das Who‘s who aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft, um über aktuelle Fragen zu diskutieren. In diesem Jahr zogen sich die Themen Nachhaltigkeit und Klimawandel durch das Programm, was nicht zuletzt auch daran lag, dass der kurz zuvor veröffentlichte Global Risk Report des Weltwirtschaftsforums die Gefahren des Klimawandels in aller Deutlichkeit benannte.

Text: Alexander Lukas, Foto: Pixabay

Weltwirtschaftsforum in Davos – viel kritisiert und dennoch wichtig

Das Treffen in den Schweizer Bergen wurde in der Vergangenheit von Globalisierungsgegnern immer wieder heftig kritisiert, nicht zuletzt, weil die „Eliten“ nach außen Wasser predigen und hinter verschlossenen Türen dann Wein trinken. Und auch in diesem Jahr verfolgten Leugner des Klimawandels wie US-Präsident Donald Trump ihre eigenen Interessen, während sich das Forum mit vegetarischen Menüs und Elektroautos einen nachhaltigen Anstrich geben wollte. Trotzdem sind solche Gipfeltreffen wichtig, um gesellschaftspolitische, globale Fragen zu diskutieren, und es freut uns zu sehen, dass endlich auch das Nachhaltigkeitsthema absolut gesellschaftsfähig geworden ist. Denn für uns sind die Faktoren Nachhaltigkeit und Klimawandel seit langem schon kein Widerspruch zu volkswirtschaftlichen Fragen wie etwa Wohlstand und Wachstum. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in dieser Woche eine Studie zum Thema Zentralbanken, Finanzmarktstabilität und Klimawandel veröffentlichte, in der sie den Begriff des „Grünen Schwans“ prägte. In Anlehnung an den mittlerweile bekannten „Schwarzen Schwan“, der ein nicht zu erwartendes Ereignis symbolisiert, beschreibt der Grüne Schwan explizit Klimarisiken. Im Unterschied zum Schwarzen Schwan würden Klimarisiken allerdings mit einiger Gewissheit eines Tages eintreten und die Menschheit stärker gefährden als Finanzkrisen, da sie komplexere und unvorhersehbare Kettenreaktionen auslösen könnten.

Wirtschaft – Silberstreifen am Horizont

Kommen wir zu etwas Erfreulicherem. Im Handelsstreit zwischen den USA und der Volksrepublik China ist es zu einer ersten Einigung in einigen Bereichen gekommen. Dem „Phase 1“ getauften Abkommen sollen nun weitere Verhandlungen folgen. Wir gehen zudem davon aus, dass vorerst keine neuen Zollandrohungen die Verhandlungen bestimmen werden. Das lässt uns vorsichtig optimistisch in die Zukunft schauen, denn die Weltwirtschaft kann aus unserer Sicht davon nur profitieren, wenn Handelshemmnisse wieder abgebaut werden. Erste Frühindikatoren wie der deutsche ifo-Index zeigten bereits kleine Erholungsanzeichen, nachdem das Jahr 2019 von Schwäche geprägt war. Die deutsche Wirtschaft wuchs nach einer ersten Schätzung im Jahr 2019 nur mit 0,6 Prozent, gestützt vor allem durch den Verbraucher, der angesichts der Rekordbeschäftigung in Kauflaune war. Unternehmen investierten aufgrund der enormen globalen Unsicherheiten hingegen zurückhaltend. Bleibt zu hoffen, dass nun kein Handelsstreit zwischen Europa und den USA entflammt, da dies der ohnehin schwächelnden heimischen Autoindustrie zusätzlich schaden würde. Wir sehen für das Jahr 2020 die Chance, dass das Wirtschaftswachstum in einigen wichtigen Regionen wieder leicht an Fahrt aufnehmen kann. Die Wirtschaftserholung hängt aber aufgrund der Handelsstreits, des Brexits, geopolitischer Konflikte und nicht zuletzt der US-Präsidentenwahl am seidenen Faden. Viel zu erwarten ist daher 2020 leider nicht.

Wiederaufnahme der bekannten Trends an den Aktienmärkten

Die weltweiten Aktienmärkte zeigten sich im neuen Jahr bislang durchweg freundlich. Weiterhin dominieren Technologieaktien, vor allem aus den USA, das Geschehen, womit sich die Trends der letzten Jahre vorerst fortsetzen. Aber auch Schwellenländeraktien entwickeln sich aussichtsreich. Aufgrund der Entschärfung des Handelskonflikts legen wir nun ein höheres Gewicht auf diese Region, insbesondere auf Asien. Die große Frage in den kommenden Monaten wird aus unserer Sicht aber sein, ob US-Aktien im Allgemeinen und Technologieaktien im Besonderen ihre Dominanz weiter fortsetzen können. Im Jahr 2019 sind die Unternehmensgewinne in den USA und Europa nämlich bestenfalls minimal gestiegen, während die Aktienkurse ein wahres Kursfeuerwerk hingelegt haben, besonders in den USA. Die Bewertungen vieler US-Aktien sind nun relativ hoch. Die Gewinnaussichten für das laufende Jahr sehen mittlerweile positiv aus und sind in Europa sogar etwas höher als in den USA. Wir bleiben für die amerikanischen und europäischen Aktienmärkte noch optimistisch, beobachten aber die weitere Entwicklung. Unser Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Entwicklung der Unternehmensgewinne, des Handelsstreits sowie der Brexit-Diskussionen. Eines steht für dieses Jahr aber fest: Nur wenn sich die Wirtschaft wieder erholt und mit ihr die Unternehmensgewinne, sind steigende Aktienkurse gerechtfertigt. Noch ein Jahr stagnierender Gewinne bei gleichzeitig fulminanten Kurssteigerungen halten wir für recht unwahrscheinlich.

Sie möchten wissen, wie unsere Portfoliomanager das Geschehen an den weltweiten Finanzmärkten einschätzen? Bestellen Sie jetzt unseren Newsletter „Finanzmarkt aktuell“.

Diesen Artikel empfehlen