Finanzmarkt aktuell – Der Kommentar der Weberbank

Finanzmarkt aktuell – Der Kommentar der Weberbank


Wer sich zu früh auf eine besinnliche Weihnachtszeit eingestellt hat, wurde in den letzten Wochen von den Finanzmärkten eines Besseren belehrt. Da weder Politiker noch Zentralbanken bereit sind, Geschenke zu verteilen, steht uns ein turbulentes Jahresende mit jeder Menge Potential für Überraschungen bevor. Aufgrund der Fülle an aktuellen Themen wird an dieser Stelle auf den obligatorischen Jahresrückblick verzichtet und stattdessen ein Blick auf das aktuelle Geschehen geworfen.

Wer sich zu früh auf eine besinnliche Weihnachtszeit eingestellt hat, wurde in den letzten Wochen von den Finanzmärkten eines Besseren belehrt. Da weder Politiker noch Zentralbanken bereit sind, Geschenke zu verteilen, steht uns ein turbulentes Jahresende mit jeder Menge Potential für Überraschungen bevor. Aufgrund der Fülle an aktuellen Themen wird an dieser Stelle auf den obligatorischen Jahresrückblick verzichtet und stattdessen ein Blick auf das aktuelle Geschehen geworfen.

Text: Jan Niessen, Foto: Chiral Jon

Brexit – Verschobene Abstimmung lässt die Unsicherheit steigen

Über einen aktuellen politischen Prozess zu schreiben, birgt eine Herausforderung, die eben darin liegt, dass es ein aktueller Prozess ist. Genau so verhält es sich momentan mit den Entwicklungen rund um den Brexit. Beim Versuch, einen Kommentar zu diesem Thema zu verfassen, überholen die Ereignisse immer wieder das geschriebene Wort. Zu Beginn der Woche wurde noch mit Spannung die für Dienstag angesetzte Abstimmung im britischen Unterhaus erwartet. Diese sollte klären, ob die von Premierministerin May ausgehandelte Vereinbarung mit der EU die Akzeptanz der britischen Politiker findet. Da sich aber bereits im Vorfeld abzeichnete, dass die Abstimmung zu Ungunsten Mays ausgehen würde, entschied sich die Regierung im Laufe des Montags für eine Verschiebung. Diese Entscheidung wurde von den Marktteilnehmern im Sinne eines höheren Risikos für einen ungeordneten Austritt interpretiert und umgehend mit einer deutlichen Abwertung der britischen Währung bestraft. Eine weitere Reaktion auf die Verschiebung waren zunehmende Gerüchte über ein Misstrauensvotum ihrer eigenen Partei gegen die Regierungschefin, welche sich am Mittwochvormittag bestätigten. Nachdem Theresa May dieses Votum am späten Mittwochabend erfolgreich überstanden hat und folglich ihr Amt weiterhin ausüben darf, bleibt die Situation festgefahren. Die Hoffnungen liegen momentan auf dem Ende der Woche stattfindenden EU-Gipfel. Möglicherweise könnte hier von den EU-Regierungschefs weiteres Entgegenkommen bezüglich der Austrittsvereinbarung signalisiert werden, um May ein Durchsetzen ihrer Brexitvorstellungen in der Heimat zu erleichtern. Gegen dieses Szenario sprechen allerdings die Äußerungen diverser europäischer Politiker, die das bereits ausgehandelte Abkommen nicht mehr antasten wollen. In der aktuellen Situation rund um den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union lässt sich der weitere Verlauf kaum prognostizieren. Sicher scheint nur, dass auch weiterhin mit Überraschungen zu rechnen ist. Dementsprechend ist eine zurückhaltende Positionierung in Bezug auf Brexit-Risiken ratsam, um weiteren Verwerfungen vorzubeugen.

Zentralbanken – Sitzungen im Dezember versprechen neue Erkenntnisse

Ein ungewohntes Gefühl stellte sich in den letzten Wochen für Finanzmarktakteure ein, die sich mit der Politik der großen Zentralbanken, also der Fed in den USA und der EZB in Europa, beschäftigen. Während die regelmäßigen Sitzungen, in denen über die Höhe des Leitzinses entschieden wird, in den letzten Jahren weitestgehend vorhersehbare Ergebnisse produzierten, kam zuletzt Unsicherheit auf. In Europa sorgten eine schwächere Inflation und Sorgen über die Konjunktur dafür, dass die Marktteilnehmer ihre Einschätzung bezüglich der ursprünglich für Ende 2019 erwarteten Zinserhöhung und der damit einhergehenden Beendigung des Nullzinsumfeldes teilweise revidierten. Von Seiten der EZB wurde auf ihrer Sitzung am Donnerstag aber immerhin insofern für Beruhigung gesorgt, als dass sie ankündigte, an dem von ihr aufgestellten Fahrplan festzuhalten und 2019 aus dem Anleihekaufprogramm auszusteigen. Wie schon in Europa enttäuschten auch in den USA die Teuerungsraten, wodurch die Fed keine Veranlassung mehr sehen könnte, ihren bereits begonnen Zinsanhebungszyklus weiter in dieser Geschwindigkeit fortzuführen. So halten auch wir die bislang prognostizierten drei bis vier Zinsschritte für zu optimistisch und erwarten eine zurückhaltendere Politik der Zentralbank. Mehr Klarheit zu diesem Thema dürfte es ebenfalls im Dezember geben, da die Fed vor Weihnachten noch eine Sitzung anberaumt. Ob sich das Ergebnis allerdings positiv oder negativ auf die Märkte auswirkt, ist im Vorfeld schwer abzuschätzen. Grundsätzlich dürfte ein Umfeld, in dem die Zinsen weiter niedrig bleiben, eher Aktien zugute kommen, da diese gegenüber Anleihen bevorzugt bleiben dürften. Allerdings haben die Aktienmärkte gerade in diesem Jahr empfindlich auf Ungewissheit reagiert und könnten eine Verschiebung der Zinserhöhungen als Bestätigung ihrer Sorgen über eine schwächere wirtschaftliche Entwicklung interpretieren.

Aktienmärkte – Unsicherheiten belasten die Märkte, aber die fundamentalen Daten machen Hoffnung

Die Kombination aus der vorsichtigeren Erwartung bezüglich der weltwirtschaftlichen Entwicklung und den diversen politischen Krisenherden, wie dem Handelskonflikt, dem Haushaltsstreit der EU mit Italien und dem Brexit, haben dem Aktienmarkt in den letzten Wochen stark zugesetzt. Obwohl viele Anleger eine Korrektur von den immer neuen Allzeithochs sicherlich erwartet hatten, hat die Heftigkeit, mit der diese eingetreten ist, auch uns überrascht. Besonders deutsche Aktien mussten nach einer durchwachsenen Berichtssaison teilweise massive Kursverluste hinnehmen. Dementsprechend ist es wenig verwunderlich, dass sich ein deutlicher Wechsel bei den Favoriten an den Märkten zeigte. So bevorzugen auch wir statt den lange Zeit beliebten Nebenwerten, also Unternehmen mit einer geringeren Marktkapitalisierung, aktuell die Schwergewichte am Aktienmarkt. Diese gelten aufgrund ihrer Größe als sicherer und eher dazu in der Lage, schwierige wirtschaftliche Phasen zu meistern. Ob diese schwierige wirtschaftliche Phase aber auch tatsächlich eintritt, gilt keineswegs als ausgemacht. Für europäische, aber besonders für amerikanische Unternehmen sehen die Erwartungen bezüglich des Gewinnwachstums für das nächste Jahr weiterhin sehr ordentlich aus und machen Hoffnung, dass bei Auflösung des einen oder anderen Risikofaktors auch wieder steigende Kurse zu verzeichnen sind. Der Weg bis zu einer anhaltenden Kurserholung dürfte allerdings nicht ohne Schwankungen verlaufen, wodurch es auch im nächsten Jahr nicht einfacher werden wird, den richtigen Zeitpunkt zum Einstieg in den Aktienmarkt zu treffen.