Finanzmarkt aktuell – der Kommentar der Weberbank

Finanzmarkt aktuell – der Kommentar der Weberbank


Während die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr an den Finanzmärkten ungewöhnlich turbulent war, kämpft der Aktienmarkt in den ersten Handelstagen des neuen Jahres um eine klare Richtung.

Während die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr an den Finanzmärkten ungewöhnlich turbulent war, kämpft der Aktienmarkt in den ersten Handelstagen des neuen Jahres um eine klare Richtung. Die dominierenden politischen Themen, wie der Handelskonflikt und die Brexit-Verhandlungen, dürften weiterhin für eine erhöhte Schwankung und einen herausfordernden Start in das neue Jahr sorgen. Warum die Zukunft trotzdem nicht so düster ist, wie sie aktuell vielleicht aussieht, lesen Sie in der neuen Ausgabe der Finanzmarkt aktuell.

Text: Jan Nießen, Foto: Joshua Ness/ Unsplash

Vor allem im ersten Quartal des neuen Jahres bleibt die Politik der bestimmende Faktor an den Finanzmärkten

Nachdem eine, gemessen an den amerikanischen Aktienmärkten, wenig besinnliche Weihnachtszeit hinter uns liegt, bietet das neue Jahr Gelegenheit, den Blick wieder nach vorne zu richten. Obwohl viele europäische Politiker noch in der Winterpause sind, stehen die Themen, die vor allem den Dezember 2018 geprägt haben, bei den Akteuren an den Finanzmärkten schon wieder ganz oben auf der Agenda. In Europa wird nach wie vor auf eine Lösung der Brexit- Verhandlungen gewartet, wobei sich zunehmend das Gefühl breit macht, dass jeder neue Schritt, den eine der beteiligten Parteien macht, weitere Komplikationen nach sich zieht. So ist weiterhin unklar, ob die britische Premierministerin Theresa May es schafft, in ihrer Heimat eine Mehrheit für den von ihr verhandelten Deal mit der EU zu bekommen oder ob es anderenfalls auf Seiten der europäischen Politiker die Bereitschaft gibt, den Briten mit weiteren Zugeständnissen entgegenzukommen. Diese Gemengelage lässt es aus unserer Sicht ratsam erscheinen, sich mit Investitionen im Vereinigten Königreich zurückzuhalten. Neben den Auswirkungen, welche der Brexit auf die Wirtschaft und damit die Unternehmen hat, stellt eine stark schwankende britische Währung einen weiteren Risikofaktor für Investoren vom europäischen Festland dar. In den USA ist immer noch der Handelskonflikt eines der dominierenden Themen. Hier zeigte vor allem die chinesische Seite Entgegenkommen und leitete Schritte zur Aufhebung des Joint Ventures-Zwangs für ausländische Unternehmen, die in China investieren wollen, ein. Trotzdem bleiben viele Beobachter skeptisch, ob diese Maßnahmen für eine baldige Beendigung des Handelskonfliktes reichen. Zu oft haben in letzter Zeit plötzliche Richtungswechsel des amerikanischen Präsidenten mühsam erzielte Fortschritte im Handumdrehen wieder zerstört. Nichtsdestotrotz sind wir der Ansicht, dass vom Thema Handel im ersten Quartal positive Signale ausgehen dürften und eine Lösung des Konfliktes näher rückt. Von einer klareren politischen Lage sollten auch europäische und vor allem deutsche Unternehmen profitieren, da diese eine Vielzahl von Handelsverflechtungen mit den USA und China aufweisen.

Die Wachstums- und Inflationserwartungen lassen die großen Zentralbanken vorsichtiger agieren

Neben der Politik tragen auch die schwächeren Wachstums- und Inflationserwartungen zur gestiegenen Unsicherheit bei. So zeigen die zuletzt veröffentlichten Vorlaufindikatoren, welche eine Erwartungshaltung für die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung widerspiegeln, seit einiger Zeit verstärkt nach unten. Diese abnehmende Dynamik in Verbindung mit der zurückhaltenderen Rhetorik der großen Zentralbanken in Europa und den USA sorgt für zunehmende Skepsis. Vor allem die Erwartung bezüglich der Zinserhöhungen im Jahr 2019 sind nach unten korrigiert beziehungsweise in Europa sogar vollständig gestrichen worden. Doch lohnt sich hier ein zweiter Blick. Dieser zeigt, dass das Bild, welches aktuell gemalt wird, zu düster ist. Zwar wird für das kommende Jahr tatsächlich ein weniger dynamisches Wirtschaftswachstum weltweit erwartet, doch steht unter dem Strich in allen Prognosen immer noch eine positive Entwicklung. Entscheidend für den voraussichtlichen Rückgang sind vor allem die hohen Niveaus, von denen die Indikatoren für die wirtschaftliche Entwicklung kommen. So zeigten vor allem in Europa die Umfragen zur Stimmung unter Unternehmen und Konsumenten im letzten Jahr konstant Niveaus, die nicht der tatsächlichen Entwicklung der Wirtschaft entsprachen, sondern diese deutlich übertrafen. Dementsprechend scheint eine Korrektur dieser Indikatoren nicht durchweg negativ, sondern als Schritt hin zu einer realistischeren Einschätzung der tatsächlichen Situation.

Günstige Unternehmensbewertungen und solide Gewinnerwartungen bieten Einstiegschancen

Eben diese angesprochene Neubewertung der wirtschaftlichen Lage bietet in Verbindung mit den deutlichen Kursverlusten nahezu aller Aktien auch Chancen. So sind mittlerweile sowohl die Bewertungskennzahlen als auch die für viele Investoren wichtigen Dividendenrenditen wieder auf attraktiven Niveaus angelangt. Obwohl natürlich nicht außer Acht zu lassen ist, dass viele Unternehmen ihre Prognosen herabgesetzt haben und vorsichtiger in die Zukunft blicken, sprechen auch hier die Zahlen eine andere Sprach,e als es auf den ersten Blick vielleicht scheint. Besonders in den USA wird im Durchschnitt immer noch ein hohes einstelliges Gewinnwachstum erwartet. Dass dieses damit deutlich niedriger ausfällt als im Rekordjahr 2018, liegt vor allem am nachlassenden Effekt der von US-Präsident Trump Ende 2017 erlassenen Steuerreform. Auch in Europa sollten die Gewinne weiterhin steigen, wenn auch mit geringerer Geschwindigkeit als in den USA. Somit dürfte die Aktienauswahl 2019 aufgrund der unübersichtlicheren Gemengelage zwar schwieriger werden, als es in den vergangenen Jahren der Fall war, trotzdem bleibt die Anlageklasse weiterhin ein attraktiver Portfoliobestandteil.