Gründen Frauen anders als Männer?

Gründen Frauen anders als Männer?


Derzeit sind nur rund 15 Prozent der Startup-Entrepreneure in Deutschland weiblich. Woran liegt das? Der Female Founders Monitor, der 2018 erstmals erschien, liefert interessante Erkenntnisse über das Gründungsverhalten von Frauen im Vergleich zu Männern.

Derzeit sind nur rund 15 Prozent der Startup-Entrepreneure in Deutschland weiblich. Woran liegt das? Der Female Founders Monitor, der 2018 erstmals erschien, liefert interessante Erkenntnisse über das Gründungsverhalten von Frauen im Vergleich zu Männern.

Text: Lenya Meislahn, Foto: Pexels

Startups sind der Mittelstand von morgen. Sie stehen für den dringend nötigen digitalen Wandel der Wirtschaft und schaffen im Durchschnitt innerhalb von drei Jahren zwölf neue Arbeitsplätze mit Zukunftsperspektive. Doch das Geschlecht scheint beim Gründen noch vielfach eine Hürde zu sein. Laut dem Deutschen Startup Monitor gab es 2018 nur rund 15,1 Prozent Startup-Gründerinnen. Der Female Founders Monitor 2018 (FFM 18) hat untersucht, woran das liegen könnte.

Ein großer Unterschied zwischen weiblichen und männlichen Gründern findet sich schon im Ansatz: Frauenteams priorisieren Profitabilität, Männerteams fokussieren die Produktentwicklung und ein schnelles Unternehmenswachstum. Auch auf die Branchen bezogen, gründen Frauen tatsächlich anders. Sie setzen häufiger auf E-Commerce (Gründerinnen: 17,7 Prozent, Gründer: 5,2 Prozent) oder Bildung (Gründerinnen: 13,5 Prozent, Gründer: 3,0 Prozent), Männer gründen häufiger zum Thema IT- oder Software (Gründerinnen: 5,7 Prozent, Gründer: 22,2 Prozent). Hintergrund dieser Zahlen ist, dass Frauen insgesamt eher einen Abschluss in sozialen und kreativen Fächern haben, jedoch seltener in MINT-Fächern. Anders als Männer gründen Frauen meist allein und zum ersten Mal, so der FFM 18, und im Falle eines Scheiterns trauen sich weit weniger weibliche als männliche Entrepreneure, erneut ein Unternehmen zu schaffen.

Frauen setzen weniger auf Wagniskapital

Deutliche Unterschiede zeigen sich in der Finanzierung der Startups, denn insbesondere das Venture-Capital scheint genderorientiert. Weniger als zehn Prozent der in Deutschland investierten Fördersummen für Startups gehen an Gründerinnen. Frauen, die ein eigenes Unternehmen mit Hochtechnologiepotenzial gründen wollen, tun sich laut der Monitor-Ergebnisse zudem deutlich schwerer als ihre männlichen Pendants, wenn es darum geht, die Start- und Wachstumsphase ihres Unternehmens zu finanzieren.

Drei erfolgreiche Startups von Frauen

Sich abheben von der Konkurrenz war das Ziel von Anike von Gagern und Kathrin Weiß, als sie 2010 die E-Commerce-Seite Tausendkind gründeten und dafür ihre Jobs als Unternehmensberaterinnen kündigten. Ihre Auswahl an Mode, Spielzeug, Accessoires und Geschenken für Babys und Kleinkinder war gefragt. Inzwischen arbeiten mehr als 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für das Unternehmen. Im vergangenen Jahr schloss Tausendkind eine Finanzierungsrunde über 15 Millionen Euro ab, an der unter anderem Capnamic Ventures und die IBB Beteiligungsgesellschaft angehörten.

Im gemischten Team aus Männern und Frauen entfaltet Janina Mütze, Co-Founderin von Civey, ihr Potential. Das Berliner Tech-Startup wurde 2015 mit dem Ziel gegründet, Meinungsforschung transparent zu machen und Meinungsmanipulation zu vermeiden. Ihre Methode der Online-Umfragen ist erfolgreich und die Ergebnisse werden längst von etablierten Medien referenziert. Mittlerweile arbeiten rund 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Civey. Janina Mütze ist Mitinitiatorin und Mitautorin des FFM 18 und wie sie in ihren Statements als Speakerin zum Beispiel auf der Republica sagt, brauchen Gründerinnen insbesondere eines: ein gutes Netzwerk.

Das sieht auch Stephanie Renda so, Vorstandsmitglied des Bundesverband Deutsche Startups und Vorsitzende des Startup-Unternehmerinnen-Netzwerks. Wie Janina Mütze ist sie Mitinitiatorin und Mitautorin des FMM 18. Sie möchte Mut machen, dass Frauen sich stärker im „Startup-Ökosystem“ engagieren. Es ginge darum, Chancen zu ergreifen, die sich aus dem digitalen Wandel und gesellschaftlichen Veränderungen entstehen. Und Stephanie Renda weiß: „Frauen gelten als risiko-avers und sicherheitsorientiert. Das trifft zum einen nicht auf alle zu, zum anderen können diese Eigenschaften auch dazu beitragen, dass Startups erfolgreich werden. Ein Startup ist das beste Arbeitsmodell, um Familie und Karriere unter einen Hut zu bringen: Man ist seine eigene Herrin und kann seine Zeit frei einteilen.“

Für alle Fragen rund um Ihr Vermögen steht Ihnen Roland Lis, Berater Privatkunden, Weberbank Actiengesellschaft, telefonisch und per E-Mail zur Verfügung: Tel.: (030) 897 98 – 403, E-Mail: roland.lis@weberbank.de