Kluges Scheitern: So lernen Gründer aus Niederlagen

Kluges Scheitern: So lernen Gründer aus Niederlagen


Mehr als 70 Prozent der Startups werden nicht älter als drei Jahre. Bei speziellen Veranstaltungen teilen Gründer ihren Frust mit Gleichgesinnten und erklären, was sie aus ihren Niederlagen lernen konnten.

Mehr als 70 Prozent der Startups werden nicht älter als drei Jahre. Bei speziellen Veranstaltungen  teilen Gründer ihren Frust mit Gleichgesinnten und erklären, was sie aus ihren Niederlagen lernen konnten.

Text: Patrick Lindner, Foto: Pixabay

Ein volles Auditorium, eine Person mit Mikrofon steht im Scheinwerferlicht und hält eine Rede. Was zunächst anmutet wie eine x-beliebige Produkteinführung oder eine inspirierende Keynote, entpuppt sich als das genaue Gegenteil: Bei Fuckup-Nights schildern Gründer, Geschäftsführer und Angestellte, wie sie ihren Job verloren oder ihr Unternehmen gegen die Wand gefahren haben. Manche illustrieren ihr Versagen mit Hilfe von Power-Point-Charts – je nach persönlicher Distanz zum Geschehenen sogar mit einer Prise Humor. Das Publikum dankt es den Speakern mit Applaus.

Die Idee zum ökonomischen Seelenstriptease stammt aus Mexiko und hat innerhalb von sechs Jahren eine globale Bewegung losgetreten. Allein in Deutschland gibt es über ein Dutzend regelmäßiger Fuckup-Events von Berlin, Hamburg bis nach Gütersloh. Das vorherrschende Credo: Wer neue Dinge ausprobiert, darf auch scheitern. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, seine negativen Erfahrungen sinnstiftend weiterzuverarbeiten und sie mit anderen zu teilen.

Zu den wohl bekanntesten deutschen Sprechern zählt FDP-Frontmann Christian Lindner, der 2016 in Frankfurt über das Scheitern seines Startups Moomax referierte. Mit seiner Erfahrung ist Lindner in bester Gesellschaft. Schließlich haben auch globale Unternehmergrößen wie Jeff Bezos (Amazon), Evan Williams (Twitter) oder Nick Woodman (GoPro) mehrere Anläufe gebraucht, bis ihre Unternehmungen reüssierten – im Startup-Jargon spricht man von „abheben“.

Neben ihrer erdenden Wirkung auf manchen Redner, bieten die Fuckup-Nights vor allem jungen Zuhörern die Gelegenheit aus den Fehlern der anderen zu lernen. Wenn man bedenkt, dass laut KfW-Gründungsmonitor mehr als 50 Prozent der Startups von Personen unter 34 Jahren gegründet werden, erscheint ein offener Austausch umso wichtiger, da eigene Erfahrung in vielen Belangen fehlt. Weniger bei produktbezogenem Knowhow, als womöglich bei Führungsaufgaben oder juristisch-wirtschaftlichen Fragestellungen.

Weitere Informationen zu Events in Berlin (und ganz Deutschland) finden Sie auf der offiziellen Website von Fuckup Nights Berlin. Eine globale Perspektive aufs kultivierte Scheitern liefert die Website der Dachorganisation.

Für alle Fragen rund um Ihr Vermögen steht Ihnen Roland Lis, Berater Privatkunden, Weberbank Actiengesellschaft, telefonisch und per E-Mail zur Verfügung: Tel.: (030) 897 98 – 403, E-Mail: roland.lis@weberbank.de