Pilze – der Baustoff der Zukunft?

Pilze – der Baustoff der Zukunft?


Mit beinahe 40 Prozent der CO2-Emissionen verzeichnet die Baubranche den größten CO2-Fußabdruck weltweit. Um dies zu ändern, erforschen deutsche Wissenschaftler das Potenzial von Pilzen als Baustoff. Wären sie erfolgreich, würde das die Disruption der gesamten Branche einläuten.

Mit beinahe 40 Prozent der CO2-Emissionen verzeichnet die Baubranche den größten CO2-Fußabdruck weltweit. Um dies zu ändern, erforschen deutsche Wissenschaftler das Potenzial von Pilzen als Baustoff. Wären sie erfolgreich, würde das die Disruption der gesamten Branche einläuten.

Text: Redaktion BBE, Foto: Christopher Ott / Unsplash

Verbrennermotoren, Kurzstreckenflüge, Fleischerzeugung – alles nicht gut für das Klima, nicht nachhaltig, klar. Aber Häuserbauen? Es klingt vielleicht merkwürdig, doch die Fakten sprechen für sich: Neben dem horrenden CO2-Ausstoß sorgt die Baubranche für mehr als 50 Prozent des gesamten Abfallaufkommens. Und auch wenn nach Angaben der Initiative Kreislaufwirtschaft Bau 90 Prozent davon wiederverwertet werden, so kommt im Zusammenhang mit Abbrüchen immer noch viel zu viel Sondermüll zusammen. Neue Ideen braucht das Land, sagten sich Wissenschaftler wie Dirk Hebel, Professor für nachhaltiges Bauen am Karlsruher Institut für Technologie und Vera Meyer, Professorin und Leiterin des Fachgebietes Angewandte und Molekulare Mikrobiologie an der Technischen Universität Berlin.

Hebel beschäftigt sich mit alternativen Lösungen für den Baustoff Beton: Der wichtigste Baustoff der Welt enthält Zement – und das ist das Problem: Seine Herstellung ist sehr energieintensiv; rund um den Globus verursacht die Betonproduktion jährlich 2,8 Milliarden Tonnen CO2, das sind fast acht Prozent aller Emissionen. In Pilzen, besser in deren Myzelium genannten Wurzelgeflecht, sieht er großes Potenzial. Den ersten Prototypen eines „Ziegelsteins“ aus einer Pilzkultur und Biomasse haben er und seit Team bereits erschaffen.

Auch Vera Meyer ist vom Potenzial der Pilze fasziniert. Die Initiatorin des City-Science-Projekts Mind the Fungi!“ „Mind the Fungi!“, über das sich Interessierte in einer digitalen Ausstellung des Futurium informieren können, spricht sogar von einer „Pilz-Revolution“: „Weltweit gibt es geschätzt rund sechs Millionen verschiedene Arten, alle mit spezifischen Eigenschaften. Einige davon bieten uns heute die Chance, unsere erdölbasierte Wirtschaft in eine biobasierte umzuwandeln. Dabei kommt ihnen sogar eine Pionierfunktion zu.“ Das Forscherteam um Vera Meyer kultiviert die Pilze auf Pflanzenabfällen und Biomasse wie Stroh, Holzspänen oder Flachs. Während der Kultivierung entwickelt sich aus dieser Kombination ein fester Verbundstoff, die Grundlage zur Herstellung von Kleidung, Möbeln oder Hauswänden. Die Vorteile: Dieses Biomaterial benötigt wenig Wasser zur Herstellung, ist schwer entflammbar und nach Gebrauch wandert es auf den Komposthaufen.

Bauen mit Pilzen: Wie nah die Utopie der Gegenwart bereits gekommen ist, zeigt der New Yorker Architekt David Benjamin. Bereits 2014 baute er für eine Ausstellung des MoMA den 13 Meter hohen Turm Hy-Fi aus „Steinen“, die auf Basis von Pilzen hergestellt worden waren. Hy-Fi stand drei Monate lang vor dem Museum, dann wurde er abgebaut und verrottete rückstandslos. Ein Schicksal, das der Turm mit den Entwicklungen von Dirk Hebel und Vera Meyer teilt.

Für alle Fragen rund um Ihr Vermögen steht Ihnen Roland Lis, Berater Privatkunden, Weberbank Actiengesellschaft, telefonisch und per E-Mail zur Verfügung: Tel.: (030) 897 98 – 403, E-Mail: roland.lis@weberbank.de

Diesen Artikel empfehlen