Prof. Dr. Dieter Willbold: Die neue Strategie gegen das Vergessen

Prof. Dr. Dieter Willbold: Die neue Strategie gegen das Vergessen


Seit mehr als 20 Jahren erforscht der Strukturbiologe Prof. Dr. Dieter Willbold die Alzheimer-Krankheit; das von ihm entwickelte Medikament geht nun in die Testphase II. Unterstützt wird er bei seiner Arbeit von SprinD, der Bundesagentur für Sprunginnovationen.

Seit mehr als 20 Jahren erforscht der Strukturbiologe Prof. Dr. Dieter Willbold die Alzheimer-Krankheit; das von ihm entwickelte Medikament geht nun in die Testphase II. Unterstützt wird er bei seiner Arbeit von SprinD, der Bundesagentur für Sprunginnovationen.

Text: Redaktion BBE, Foto: Forschungszentrum Jülich

Dass er sich auf die Erforschung von Alzheimer und die Bekämpfung der Krankheit fokussiert habe, sei „reiner Zufall“ gewesen, sagt Dieter Willbold. In der Tat ein glücklicher Zufall für die Arzneimittelforschung und die Patienten, denn der Strukturbiologe und Biochemiker am Institut für Physikalische Biologie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und Direktor am Forschungszentrum Jülich zählt heute zu den international renommiertesten Experten im Kampf gegen das Vergessen. Dabei gehen er und sein Team den eigenen Weg – und das seit mehr als 20 Jahren. „Ich arbeitete damals als Wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Struktur und Chemie der Biopolymere an der Universität Bayreuth“, sagt Willbold; „ein befreundeter Kollege meines Doktorvaters Paul Rösch, Konrad Beyreuther aus Heidelberg hatte gerade das Beta-Amyloid mitentdeckt, ein Protein, das den größten Teil der Plaque-Ablagerungen im Gehirn ausmacht und deshalb als Auslöser von Alzheimer galt. Als Strukturbiologe, der die 3-D-Struktur von Proteinen in atomarer Auflösung aufklärt, war ich interessiert daran, mir dieses Beta-Amyloid einmal genauer anzuschauen.“

Forschung mit physikalischer Sichtweise

Dass Dieter Willbold dabei ist, die Alzheimer-Forschung zu revolutionieren, hat genau mit diesem Blick zu tun: Er betrachtet das Protein von der physikalischen Seite her. „Im Grunde sind diese Einzelproteine, die überall in unserem Körper herumschwimmen, ungefährlich. Erst wenn sich diese Monomere zu Oligomeren verklumpen, werden sie toxisch. Außerdem vermehren sie sich auf Kosten der Einzelproteine.“ Wenn diese giftigen Oligomere an den Synapsen des Gehirns „andocken“, erklärt er weiter, werden immer mehr Nervenzellen geschädigt oder sterben ab.“ Willbold erkannte in den toxischen Strukturen den Schlüssel zur Lösung des Problems: „Sind diese Oligomere erst einmal beseitigt, kann man die verheerende Krankheit stoppen.“

Bundesagentur SprinD unterstützt Testphase II

Damit hatte er zwar den Hebel zur Lösung des Problems gefunden, doch der Weg zum Medikament würde anstrengend sein, das war ihm klar. „Es ist ein schwieriges Gebiet“, so Dieter Willbold, „immer wieder scheitern Wirkstoffkandidaten in klinischen Studien, deshalb haben sich viele Pharmaunternehmen aus der Alzheimer-Forschung zurückgezogen.“ Eine weitere Hürde seien die benötigten Geldmittel: „Um ein Medikament in Phase II zu testen, bedarf es schnell eines zweistelligen Millionenbetrages. Aber weil in unserem Bereich so viele Studien scheitern, sind Investoren Mangelware.“ Umso mehr habe er sich gefreut, dass sich im letzten Jahr die Bundesagentur für Sprunginnovationen SprinD bei ihm gemeldet habe. „Ich habe mich gewundert, dass die uns auf dem Schirm hatten“, sagt der Forscher, „es gab Redebedarf, aber wir konnten den Geschäftsführer Rafael Laguna und seine Experten überzeugen – SprinD unterstützt uns.“ 2017 gründete Dieter Willbold mit einigen Kollegen, die an der Wirkstoff-Entwicklung beteiligt waren, das Unternehmen Priavoid mit heutigem Sitz in Düsseldorf, das für die weitere Entwicklung vom Forschungszentrum Jülich die Rechte an dem Wirkstoff mit dem Namen PRI-002 erwarb. Entscheidend dafür war das Seed-Investment von „Business Angel“ Detlev Riesner, interessanterweise Vorgänger von Dieter Willbold auf der Professur für Physikalische Biologie. Nach der 2019 erfolgreich abgeschlossenen Phase I geht das Präparat nun mit Unterstützung der SprinD in die entscheidende Phase II.

Der erste Wirkstoff seiner Art

PRI-002 ist ein günstig herzustellendes D-Peptid, also das Spiegelbild eines gewöhnlichen Peptids, das die einzelnen Beta-Amyloid-Proteine stabilisiert und die giftigen Oligomere in ungefährliche Monomere zerlegt. „Es ist der erste Wirkstoff seiner Art.“, sagt Professor Willbold, der im vergangenen Jahr für seine Arbeit mit dem „Innovationspreis der BioRegionen Deutschlands“ ausgezeichnet wurde. Auf die Phase II blickt er mit viel Optimismus und dem ihm eigenen Wissensdrang. Momentan sei man damit beschäftigt, die nötige Menge an Wirkstoff herzustellen und alles weitere für die Studie vorzubereiten, die deshalb erst 2022 starten kann. Spätestens 2026 sollen die Ergebnisse der Studie vorliegen. Das gibt nicht nur den mehr als eine Million Alzheimererkrankten* in Deutschland Hoffnung, sondern auch deren Angehörigen.

* Quelle: Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. 2020

Für alle Fragen rund um Ihr Vermögen steht Ihnen Roland Lis, Berater Privatkunden, Weberbank Actiengesellschaft, telefonisch und per E-Mail zur Verfügung: Tel.: (030) 897 98 – 403, E-Mail: roland.lis@weberbank.de

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