Robert Schlesinger: Chancen für gesellschaftlichen Neustart

Robert Schlesinger: Chancen für gesellschaftlichen Neustart


Robert Schlesinger hat sich als Fotograf wie auch als Sprecher und Synchronsprecher bundesweit einen Namen gemacht. Dazu ist er als Berater im Bereich Brand Communication tätig. Wir sprachen mit ihm über Motivation, Mut zur Nische und warum Corona die Chance für einen gesellschaftlichen Neustart bietet.

Robert Schlesinger hat sich als Fotograf wie auch als Sprecher und Synchronsprecher bundesweit einen Namen gemacht. Dazu ist er als Berater im Bereich Brand Communication tätig. Wir sprachen mit ihm über Motivation, Mut zur Nische und warum Corona die Chance für einen gesellschaftlichen Neustart bietet.

Text: Anke Bracht, Foto: Melanie Greim, Erscheinungsdatum: 15. Juli 2020

Herr Schlesinger, geplatzte Jobs wegen Corona: Fotografen zählen zu den am stärksten Betroffenen. Wie haben Sie die letzten Wochen erlebt? Geht da gerade eine ganze Branche den Bach runter?

Für mich hatte sich im April ein sehr aussichtsreiches Jahr 2020 in sehr kurzer Zeit auf einen überschaubaren Kalender reduziert. Was zum Glück nicht von Dauer bleiben sollte. Vor der Corona-Krise war ich neben einigen Ausstellungsprojekten in Berlin und Düsseldorf stark in ein Fußball-EM-Projekt mit eigener Foto-Ausstellung involviert. Mein Auftrag war es, eine komplette Ausstellung zu den Europameisterschaften zu bespielen, in der ich ganz frei, aus meiner völlig sportdistanzierten Sicht eine dokumentarische Bildgeschichte kreiert hätte. Es war eine großartige Idee der Initiatoren und vielleicht werden sie sie eines Tages wieder aufgreifen.

Ich denke ich habe sehr viel Glück gehabt. Die meisten Fotografen leiden unter den Budget Kürzungen, vor allem durch den temporären Wegfall des kompletten Messe- und Event-Bereichs. Werbung wird zwar weiter produziert, allerdings in einem weitaus kleineren Rahmen. Meiner Meinung nach haben Unternehmen gerade jetzt die Chance sich strategisch, durch professionellen Content, eine beispielhafte Sichtbarkeit und eine positive Reputation aufzubauen, weil die Konkurrenz noch zögert, aber sie schläft nicht. Ich habe die Zeit des Shut-Downs nicht nur für ehrenamtliche, lokale Projekte wie die #wirsindberlin Kampagne genutzt. Ich habe mich vermehrt meiner zweiten Leidenschaft – dem Sprechen und Synchronsprechen – gewidmet. Ich spreche momentan beispielsweise Werbespots, Unternehmenspräsentationen und Tutorials, möchte diese Leidenschaft in Zukunft wieder mehr ausbauen. Das Sprechen erfordert viel konzentriertes Üben und den Ausbau der Einzigartigkeit, die jede Stimme besitzt.

Wie kam es dazu, dass Sie auch als Sprecher arbeiten?

Ich habe bereits in meiner frühen Jugend begonnen verschiedene bekannte Charaktere und Persönlichkeiten zu imitieren. Als Sohn eines Musikers habe ich frühzeitig ein besonders feinfühliges audiophiles Gehör entwickelt. Ein Zufall hat mich vor nunmehr fünf Jahren dazu motiviert meine Stimme zu entwickeln und an ihr zu arbeiten. Ich begann diesen Weg als Radiostimme und gebe derzeit Marken und Produkten meine Stimme. Der Klang, die Aussagekraft, die Schnelligkeit und die Lautstärke der Stimme haben eine wahnsinnig große Wirkung beim Bewerben von Produkten und Dienstleistungen. Sie suggeriert ein Image, was für die heutige Markenbotschaft unabdingbar ist.

Erzählen Sie bitte noch ein wenig von Ihrer Fotografie. Wie lautet Ihre Philosophie? Was treibt Sie an, was motiviert Sie?

Meine Fotografie lebt durch die wahren Momente. Mein Antrieb sind die immer neuen Situationen, Ideen und das strategische Denken hinter dem, was das Bild letztlich beim Betrachter bewirken soll. Ich arbeite sehr gern mit Menschen und sehe oft, dass der Weg das Ziel ist. Menschen kommen mit ihren eigenen limitierten Vorstellungen zu mir. Ich versuche dann ihnen durch spontane Neupositionierung ihrer Bildinhalte neue Sichtweisen zu eröffnen. Die Begeisterung, die meine Kunden über die Ergebnisse ausdrücken, motiviert mich jeden Tag aufs Neue an und gibt mir Energie.

Bei Shootings mit Personen des öffentlichen Lebens, wie beispielsweise Andreas Bourani und Edin Hasanovic zeigt sich immer wieder, dass das spontane Einfangen des realen Moments die großartige Wirkung eines authentischen und aussagekräftigen Bildes transportiert. Bei geplanten Werbestrecken von Kunden arbeite ich allerdings etwas anders. Glücklicherweise vertrauen meine Kunden, wie Brands und Agenturen, meiner Expertise und meinen langjährigen Erfahrungen und lassen mir mittlerweile den Spielraum auch vom ursprünglichen Konzept abweichen zu können, um sie vom besseren Ergebnis begeistern zu können.

Es heißt immer wieder „in der Krise liegt die Chance“. Wie sehen Sie das?

Ich gebe Ihnen durchaus Recht. Ich persönlich empfinde diese bewegenden Zeiten eher weniger als Krisensituation, viel mehr als Phase der Entschleunigung und Innensicht. Bezogen auf meine Arbeit sollten sich viel mehr Menschen an den richtigen Positionen hinterfragen, mit welcher Art von Content und auf welcher strategischen Art und Weise im Moment Inhalte generiert werden können und sollten, um Aufmerksamkeit zu bekommen und ein gutes Image nach außen zu zeigen.

Ich würde es persönlich gut finden, wenn ein angepasstes Umdenken stattfinden würde. Wir bemerken jetzt schon die Veränderungen der gesellschaftlichen Vorlieben, während die Digitalisierung in allen Branchen schneller vorangetrieben wird als je zuvor. Wer vor der Krise interessant war und sich in der Krise bemüht oder seine Nische gefunden hat, ist jetzt noch interessanter. Wer denkt, nach Corona so weiter machen zu können wie zuvor, der wird zwangsläufig an Relevanz verlieren. Es trennt sich gerade die Spreu vom Weizen im nicht enden wollenden Überangebot von Dienstleistern und Produkten. Ich sehe die Corona-Situation und die gesamte wirtschaftliche Entwicklung als einen Neustart, bei dem hoffentlich die im neuen Glanz erstrahlen, die wissen, wie man sich positionieren kann und möchte.

 

Für alle Fragen rund um Ihr Vermögen steht Ihnen Roland Lis, Berater Privatkunden, Weberbank Actiengesellschaft, telefonisch und per E-Mail zur Verfügung: Tel.: (030) 897 98 – 403, E-Mail: roland.lis@weberbank.de

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