Schulunterricht 2.0

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Adaptive Lernsysteme sind der Innovationstreiber unter den digitalen Bildungsmedien. Die letzten Wochen haben gezeigt, wie viel Potenzial in ihnen steckt, um das deutsche Bildungssystem nachhaltig zu verändern.

Adaptive Lernsysteme sind der Innovationstreiber unter den digitalen Bildungsmedien. Die letzten Wochen haben gezeigt, wie viel Potenzial in ihnen steckt, um das deutsche Bildungssystem nachhaltig zu verändern.

Text: Anke Bracht, Foto: Chris Liverani / Unsplash

Unterricht im Video-Chat, Hausaufgaben per E-Mail: Der Lockdown hat den Schulbetrieb hierzulande komplett auf den Kopf gestellt. Mit der Kommunikation hat sich auch die Vermittlung der Inhalte geändert, Stichwort Adaptive Lernsysteme. Die interaktiven Plattformen unterstützen Schüler wie auch Lehrer: Die Lernenden werden auf ihrem aktuellen Leistungsstand gefördert und die Lehrenden erhalten Feedback, wie die Lernkurve verläuft und können darauf didaktisch reagieren. Mit Erfolg: Nicht nur der einzelne Schüler verbessert sich, auch das Leistungsniveau der Klasse steigt. Umso verwunderlicher ist es, dass erst die Schulen schließen mussten, um die Vorteile adaptiver Lernsysteme zu entdecken. Doch schnell erkannten die Pädagogen, dass Portale wie die Berliner Mathematik-Plattform bettermarks kein „Übergangstool“ für das aktuelle Homeschooling sind, sondern vielmehr das Potenzial besitzen, das Lehren und Lernen nachhaltig zu verbessern.

Unterschiedliches Tempo bei der Digitalisierung

„Seit Beginn des Lockdowns haben sich bundesweit 5.000 Lehrer und 200.000 Schüler neu bei bettermarks angemeldet“, sagt Arndt Kwiatkowski, Mitgründer und CEO. Gemeinsam mit Marianne Voigt und Christophe Spéroni brachte er das Unternehmen 2008 an den Start – kurz zuvor hatte er seine Anteile an der Maklerplattform Immobilienscout.de verkauft, die er 1997 mit aus der Taufe gehoben hatte. Bei bettermarks brauchten die Gründer allerdings einen langen Atem. Während sich das Unternehmen – es ist neben Deutschland in weiteren fünf Ländern aktiv – im Ausland schnell etablieren konnte, lief es hierzulande schleppend an. Den Grund hierfür sieht Kwiatkowski im unterschiedlichen Tempo der Digitalisierung des Unterrichts durch die Ministerien der Bundesländer. „Die Frage ist ja auch immer, wer investiert in Pilotprojekte, erarbeitet sich eine Urteilsfähigkeit und informiert die Lehrer darüber, welche digitalen Bildungsmedien wirksam sind? Und wem vertrauen die Pädagogen?“

Adaptive Lernsysteme auf dem Vormarsch

Wie dynamisch sich das Geschäft zukünftig entwickeln könnte, zeige der Nutzerzuwachs in Hamburg, so Kwiatkowski: „Die Beteiligung der Schulen lag bei drei Prozent, dann hat die Schulverwaltung bettermarks an etlichen Schulen über zwei Jahre getestet und nach der positiven Rückmeldung der Lehrer bereits für das laufende Schuljahr eine Landeslizenz erteilt. Die Nutzerrate ging sprunghaft nach oben. Inzwischen arbeitet jeder zweite Hamburger Schüler der 2. bis 10. Klassen mit bettermarks.“ Dass an adaptiven Lernsystemen künftig kein Weg mehr vorbei gehen werde, steht für den Unternehmer fest. „Erst kürzlich wurden der Empfehlung des Wissenschaftsrats der Leopoldina zur Überwindung der Coronakrise die Dringlichkeit der Entwicklung wirksamer digitaler Bildungsmedien hervorgehoben. Und der Bund hat aus den Mitteln des Digitalpakts 100 Millionen Euro für die Nutzung von Lernplattformen zugänglich gemacht.“

Angebot Richtung Hochschule erweitern

Derzeit bietet die Plattform Unterrichtsinhalte im Fach Mathematik von Klasse vier bis Klasse 11 (G9). Als nächstes stehen interaktive Mathematikbücher für die Grundkurse der gymnasialen Abschlussklassen auf der Agenda, sie werden im Schuljahr 2021/22 zum Einsatz kommen. Zudem soll das Angebot Richtung Hochschule ausgeweitet werden, es gibt also viel zu tun für Kwiatkowski und sein Team. Auch ein Zusammenschluss mit Experten anderer Fachbereiche ist geplant, um z.B. auch Tutorials im Bereich Sprachen anzubieten. Die oft unterschiedliche Herangehensweise der Bundesländer an bildungspolitische Konzepte sieht er entspannt: Die Lerninhalte lassen sich auf der Plattform den jeweiligen Anforderungen anpassen. Die Nutzung von bettermarks in Ländern wie den Niederlande oder Uruguay zeigten, dass die Lerninhalte an verschiedene Curricula und Sprachen angepasst werden können.

Individuelle Förderung der Schüler ermöglichen

Mehr als 120.000 Millionen Matheaufgaben haben Schüler verschiedener Schulformen allein in 2019 auf bettermarks gelöst, sagt Kwiatkowski. „Und sie alle hinterlassen Spuren, geben Feedback. Wir lernen durch Nutzung und werden dadurch immer besser.“ Mehrere Updates am Tag seien keine Seltenheit, sagt der CEO. Sein persönliches Ziel: „Die Lehrer sollen alle Schüler ‚mitnehmen’ können und bettermarks unterstützt dabei so gut, dass sie trotz der Heterogenität im Klassenraum alle ihre Schüler individuell fördern können.“ Wie bettermarks bei den Schülern ankommt, das sehe er derzeit jeden Tag auch zu Hause, sagt Arndt Kwiatkowski. Seine beiden jüngsten Kinder arbeiten damit.

Für alle Fragen rund um Ihr Vermögen steht Ihnen Roland Lis, Berater Privatkunden, Weberbank Actiengesellschaft, telefonisch und per E-Mail zur Verfügung: Tel.: (030) 897 98 – 403, E-Mail: roland.lis@weberbank.de

 

 

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