Street Art – zwischen Kunst und Kommerz

Street Art – zwischen Kunst und Kommerz


Was als illegaler Protest begann, hat auch in Berlin längt seinen Weg ins Museum gefunden. Und nicht nur das: Die Street Art-Szene boomt und zieht internationale Künstler und Kulturtouristen in die deutsche Metropole.

Was als illegaler Protest begann, hat auch in Berlin längt seinen Weg ins Museum gefunden. Und nicht nur das: Die Street Art-Szene boomt und zieht internationale Künstler und Kulturtouristen in die deutsche Metropole.

Text: Anke Bracht, Foto: Nika Kramer / Urban Nation Berlin

Der Engel der Barmherzigkeit bedeckt seine Augen mit der Hand, als könne er es nicht glauben, Teil eines Street Art Motivs geworden zu sein. Gleich um die Ecke spielt eine Szene des Jüngsten Gerichts, in der die Verdammten zur Hölle fahren. Die monumentalen, sich über zwei Häuserfronten erstreckenden Motive stammen von Julien de Casabianca. Der französische Street Art Künstler bringt seit 2004 Kunstgeschichte und Urban Art zusammen. Seit Mitte September ziert sein Werk „ONE WALL“ zwei Fronten des Eckhauses in der Schöneberger Bülowstraße 110. Er hat es auf Einladung des URBAN NATION Museum for Urban Contemporary Art anlässlich der „URBAN NATION Biennale“ gestaltet.

Berlin – Treffpunkt der internationalen Street Art Szene

Wie er folgen viele weitere internationale Stars der Street Art Szene Einladungen in die deutsche Hauptstadt, die zu einer der wichtigsten Szenen für urbane Kunst entwickelt hat. Damit wächst auch die Anzahl der Murals, wie die Werke im Jargon heißen. Allein beim zweiten „Berlin Mural Fest“ im Mai 2019 verwandelten neue Motive von mehr als 100 Künstlern die Hauptstadt in eine riesige Open Air-Galerie. Längst haben Tourismusverbände, Reiseveranstalter und Medienunternehmen das wirtschaftliche Potenzial von Berlins Street Art entdeckt. Magazine, Instagram-Accounts, interaktive Maps mit den Hot Spots zum Download – die Stadt zieht inzwischen viele Touristen an, die zu den ikonischen Werken pilgern. Die East Side Gallery und das Haus Schwarzenberg, vor wenigen Jahren noch Inbegriff der Street Art, sind heute nur noch zwei von unendlich vielen „Places to be“. So lockt die ehemalige Eisfabrik im Bona-Peiser-Weg in Kreuzberg seit April die Massen an, dort hat sich der Londoner Künstler Fankanpan mit einer Huldigung der Berliner Graffitity Crew 1up verewigt.

Die Wurzeln der Urban Art und ihre Verbreitung

Ihre Anfänge hat Street Art im Paris der 30er Jahre – seinen Namen durch einen Bildband: Der rumänische Fotograf Brassaï dokumentiert die Pariser Wandbemalungen 1960 in seinem Bildband „Graffiti“. Weltweite Bekanntheit und Verbreitung findet die Bewegung allerdings erst mehr als 20 Jahre später. 1984 erscheint der Bildband „Subway Arts“ mit den kunstvollen Spraybildern auf den New Yorker U-Bahn-Waggons und im selben Jahr kommt der Film „Wild Style“ in die amerikanischen Kinos, der die Graffiti-Kunst – und in deren Windschatten die Street Art – in der Hip Hop-Kultur verortet. In Folge avanciert New York zum Epizentrum der Urbanen Art und Künstler wie Keith Haring lassen sich von ihr inspirieren.

Street Art beflügelt den Berliner Kunstmarkt

Mitte der 80er Jahre hält Street Art auch in Berlin Einzug. Die Szene entwickelt sich in den kommenden Jahren zu einer der wichtigsten und größten weltweit. Und sie kommerzialisiert sich: Immer mehr Künstler wählen die Leinwand statt der Hausmauer, Galerien entstehen und machen die Kunstrichtung endgültig salonfähig. Eine der wegweisenden ist Culture Circle. Seit 2003 vertreten Dirk Staudinger und Johann Haehling von Lanzenauer in ihrer Galerie in der Gipsstraße Kunstschaffende mit urbanem, subkulturellem Hintergrund und vertreten diese auch auf internationalen Kunstmessen. Der Urban Contemporary Art eine Plattform zu geben, ist auch das Ziel des 2017 eröffneten URBAN NATION Museums. Das von der Stiftung Berliner Leben finanzierte Haus in Schöneberg fördert die Auseinandersetzung mit Street Art sowohl bei Besuchern als auch bei Künstlern: Das Projekt FRESH A.I.R bietet zwei Mal jährlich bis zu 13 Stipendiaten die Möglichkeit, für sechs Monate im Museum zu leben und zu arbeiten. Anfang Oktober ist der dritte Jahrgang eingezogen – ihre Arbeiten werden von Street Art Fans mit Spannung erwartet.

Für Fragen und weitere Informationen stehen wir Ihnen gern zur Verfügung: Luzi Teber, Leiterin Marketing und Kommunikation, Weberbank Actiengesellschaft, Tel.: (030) 897 98 – 380, luzi.teber@weberbank.de

Sie möchten regelmäßig Neuigkeiten über erfolgreiche Start-ups, spannende Köpfe und ausgewählte Events in Berlin erhalten? Bestellen Sie jetzt unseren diskurs Newsletter.

 

 

Diesen Artikel empfehlen