Summen statt Brummen: Was bringt die Förderung von Elektroautos?

Summen statt Brummen: Was bringt die Förderung von Elektroautos?


Wer die Ferien gerne auf dem Land verbringt, kennt das Phänomen: Nach der Rückkehr kommt einem Berlin unglaublich laut vor. Das liegt nicht zuletzt am Straßenverkehr. Auch die Berliner Luft leidet unter den 1,2 Millionen PKW, die hier gemeldet sind. Elektroautos würden Lärm und Abgase reduzieren.

Wer die Ferien gerne auf dem Land verbringt, kennt das Phänomen: Nach der Rückkehr kommt einem Berlin unglaublich laut vor. Das liegt nicht zuletzt am Straßenverkehr. Auch die Berliner Luft leidet  unter den 1,2 Millionen PKW, die hier gemeldet sind. Elektroautos würden Lärm und Abgase reduzieren.

Text: Alexander Visser, Foto: Pixabay

Ist die Förderung der Elektromobilität – je 2000 Euro beim Kauf eines E-Autos von Staat und Industrie – da nicht ein Segen, gerade für Großstädte? Hören wir statt lauten Verbrennungsmotoren bald nur noch ein leises Summen auf Berlins Straßen?

Befürworter argumentieren, dass die deutschen Klimaziele ohne einen markanten Anstieg der Nutzung von Elektroautos nicht zu erreichen sind. Denn der Verkehrssektor ist hierzulande für rund 20 Prozent der klimaschädlichen Emissionen verantwortlich. Die Volkswirtin Sonja Peterson, Honorarprofessorin an der Universität Kiel und Expertin für Energie- und Klimapolitik, argumentierte etwa in der „Zeit“ im Dezember 2017, bei den erneuerbaren Energien habe die staatliche Förderung zu einer beschleunigten Entwicklung von Wind- und Solarenergie geführt. Davon habe auch der Klimaschutz profitiert. Schwerpunkt der Förderung sollte aus ihrer Sicht allerdings die Förderung der kapitalintensiven Ladeinfrastruktur sein: „Der Staat sollte hier investieren, denn risikoscheue private Investoren werden solche Projekte kaum fördern.“

Andere Befürworter einer staatlichen Unterstützung argumentieren, dass eine zeitlich begrenzte Förderprämie beim Autokauf helfen könne, eine kritische Masse an Elektroautos auf die Straße zu bringen, damit sich die Investitionen in die Lade-Infrastruktur auch lohnen. Sie verweisen auf die Verkaufserfolge in Norwegen, wo laut dem „Handelsblatt“ fast jede zweite Neuzulassung elektrisch ist. Elektroautos sind dort unter anderem von der 25-prozentigen Mehrwertsteuer ausgenommen.

Gegner der staatlichen Prämie für E-Autos betonen, dass sie keineswegs emissionsfrei sind. „Schließlich ist die Herstellung von neuen Fahrzeugen und insbesondere von Batterien sehr energieintensiv; und der Strom in Deutschland kommt noch immer in merklichem Umfang aus fossilen Brennstoffen“, schreibt etwa der Kieler Volkswirt Jens Boysen-Hogrefe in der „Zeit“. Die positiven Auswirkungen auf die Co2-Bilanz durch mehr E-Autos wären daher nur marginal. Eine stärkere Besteuerung von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor, argumentiert Boysen-Hogrefe, wäre ein effektiveres Steuerungsinstrument.

Der Nutzen von mehr Elektroautos für das Klima ist also umstritten. Aber zumindest würden sie die Stadt leiser machen.

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