Wiener Straße – Sven Regeners Kreuzberg-Roman

Wiener Straße – Sven Regeners Kreuzberg-Roman


Seine Figuren behandelt er wie alte Freunde. So begegnet der Leser in Sven Regeners neuesten Werk „Wiener Straße“ einmal mehr Frank Lehmann.

Text: Anke Bracht, Foto: Komo Konzert

Seine Figuren behandelt er wie alte Freunde. So begegnet der Leser in Sven Regeners neuestem Werk „Wiener Straße“ einmal mehr Frank Lehmann, der an einem Novembertag im Jahr 1980 zusammen mit den Extremkünstlern H. R. Ledigt und Karl Schmidt und seiner dauer-rebellischen Berufsnichte in eine Wohnung über dem Café Einfall gepflanzt wird, damit er der Familienplanung eines Freundes nicht weiter im Weg steht. Aktionskünstler aus Österreich, ein Fernsehteam und eine Kettensäge sind nur einige der Herausforderungen, denen sich die unfreiwillige Wohngemeinschaft stellen muss. Dass sich aus diesem explosiven Gemisch eine turbulente Geschichte entwickelt, dürfte klar sein. Noch dazu, da sie im Kreuzberg der frühen 80er Jahre spielt – dem chaotisch-kreativen Sammelbecken für schräge Vögel und noch schrägere Situationen. Ein Mikrokosmos, in dem alles möglich ist, von Sven Regener liebevoll-bissig vorgeführt und vom Deutschen Buchpreis auf die Longlist gesetzt. Der Schriftsteller, der vielen Lesern auch als Sänger seiner Band Element of Crime bekannt sein dürfte, ist derzeit nicht nur mit „Wiener Straße“ Gast der Feuilletons, auch die Verfilmung seines Romans „Magical Mystery“ wird eifrig besprochen. In dieser Geschichte dreht sich alles um Karl Schmidt, der am Tag der Maueröffnung einen Nervenzusammenbruch hatte und von Frank Lehmann in die Psychiatrie gebracht wurde. Auch in „Wiener Straße“ zählt er zu den Hauptakteuren – womit sich der Kreis der Figuren wieder einmal schließt. Für den Autor ist diese Vorgehensweise mit dem „Personal“ seiner Bücher keine nette Schrulle, sondern Methode: „Andere schreiben Krimis mit immer demselben Kommissar, ich lebe mit meinen Figuren, die so etwas Lebendiges, Unberechenbares für mich haben – und es kommen stets neue dazu. Ich habe mir da Figuren geschaffen, die geben mehr her als nur einen Roman, und jedes Mal verschieben sich die Gewichte.“ Deshalb, so Regener im Interview mit der FAZ, spiele „Herr Lehmann in dieser Geschichte nur eine untergeordnete Rolle.“ Das Road Movie mit einem brillanten Charly Hübner in der Hauptrolle feierte am 19. Juli in Neukölln Vorpremiere – die Weberbank, Partner der DCM Filmproduktion hatte zu einer Privatvorführung ins Kino Wolf geladen. Regisseur Arne Feldhusen, die Darsteller Detlev Buck, Marc Hosemann, Annika Meier und natürlich Charly Hübner gesellten sich zum Publikum und verliehen dem Abend künstlerischen Glamour – auf die Berliner Art, versteht sich.

Der neue Roman „Wiener Straße“ erscheint am 07.09.2017 bei Kiepenheuer & Witsch. Wer Sven Regener live erleben möchte hat dazu die Gelegenheit am 22.09.2017 bei seiner Lesung im Großen Sendesaal des RBB. http://www.svenregener.de/termine/

Diesen Artikel empfehlen