Zeitzeugen in Not

Zeitzeugen in Not


Von der Dorfkirche über die Lokomotive bis zum Anatomiesaal: Die Liste der Projekte, die von der Deutsche Stiftung Denkmalschutz gefördert werden, ist lang. Eines darauf ist ein Aushängeschild der Hauptstadt – der Berliner Dom.

Von der Dorfkirche über die Lokomotive bis zum Anatomiesaal: Die Liste der Projekte, die von der Deutsche Stiftung Denkmalschutz gefördert werden, ist lang. Eines darauf ist ein Aushängeschild der Hauptstadt – der Berliner Dom.

Text: Anke Bracht,  Foto: Roland Rossner

Es bröckelt. Feinstaub und saurer Regen setzen der Fassade zu, zerstören die fein gearbeiteten Details an Säulen, Gesimsen und Statuen. Gummiabrieb von Autoreifen tut sein Übriges und verschließt die Poren des Sandsteins. So kann eindringendes Wasser nicht mehr abfließen und sprengt immer wieder kleine Teilchen der Oberfläche ab. „Für die Fassade des Berliner Doms besteht akuter Handlungsbedarf“, sagt Stiftungsvorstand Dr. Steffen Skudelny. Das klingt ernst, hat aber keinen aktionistischen Unterton. Die Domgemeinde hat die Schäden am Berliner Wahrzeichen schon länger auf dem Radar; sie wurden im letzten Jahr während der Renovierung des Glockenturms festgestellt. „Man hat eine sehr gute Schadenskartierung und Bestandserfassung durchgeführt, das erleichtert die nächsten Schritte ungemein“, so Dr. Skudelny. „Seither sind wir in engem Austausch mit der Domarchitektin.“

Auf vier Jahre ist die Sanierung projektiert – und die kostet Geld, rund 1,6 Millionen Euro wurden veranschlagt. „Die Domgemeinde ist der Besitzer des Denkmals, sie hat nur rund 1.700 Mitglieder. Da ist der laufende Unterhalt schon kaum zu stemmen“, erklärt der Stiftungsvorstand. Die Einnahmen aus dem Erlös der Eintrittskarten sind da allenfalls auch nur ein Zubrot. „Der Berliner Dom ist nicht nur eine der größten und bedeutendsten evangelischen Kirchen, er ist auch ein wichtiger Memorialbau der Preußen“, sagt Dr. Skudelny, „die Sarkophage fast aller preußischen Könige stehen dort.“ Um die dringende Sanierung des Mauerwerks möglich zu machen, hat die Deutsche Stiftung Denkmalschutz erst vor wenigen Wochen eine umfangreiche Spendenkampagne ins Leben gerufen, die mit verschiedensten Werbemitteln und -maßnahmen für den Erhalt des Denkmals begeistern möchte und den Berliner Dom zu einem „Highlight“ unter den über 400 Projekten erklärt, die pro Jahr gefördert werden.

„Es wäre schön, wenn wir immer so früh ins Boot geholt würden“, sagt Dr. Steffen Skudelny , „leider kommt oft erst ein Hilferuf, wenn etwas herunterfällt oder auseinanderbricht. Das betrifft gerade die kleinen Objekte.“ Bei diesen sei die Baupflege besonders schwierig, da viele Gebäude nicht regelmäßig auf Schäden kontrolliert würden und der Eigentümer einfach nicht über die Mittel verfüge, um bereits im frühen Stadium Reparaturen vorzunehmen. Trotzdem könne vielen Denkmalen – und den Eigentümern – geholfen werden. Bei der Unterstützung engagierter Denkmaleigentümer komme der Beratungsleistung der Stiftung eine wichtige Bedeutung zu, stellt Dr. Skudelny fest. „Wir schauen gemeinsam, welche staatlichen Fördermittel in Frage kommen. Wenn unsere Stiftung ein Projekt finanziell unterstützen, ist das auch oft ein Türöffner für andere Geldgeber.“

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz ist die größte private Initiative für Denkmalschutz in Deutschland und genießt die Unterstützung von rund 200.000 Förderern. Seit ihrer Gründung 1985 hat sie bis heute über 5.500 Denkmale mit einem Gesamtbetrag von mehr als einer halben Milliarde Euro saniert, restauriert, gepflegt und bewahrt. Als die bislang größte Herausforderung und gleichzeitig die größte Chance für die Stiftung gilt der Mauerfall – von einem Tag zu anderen warteten nun auch viele ostdeutsche Denkmale auf Rettung. Wohl zu den Schwerpunkt-Projekten, die ihren Anfang in jener Zeit nahmen, zählen die Städte Görlitz und Quedlinburg – mit jeweils tausenden Kultur- und Baudenkmalen die wohl größten zusammenhängenden Flächendenkmale hierzulande.

Um dem anhaltend großen Förderbedarf nachzukommen, greifen die Verantwortlichen des Stiftungsrats auch immer wieder gerne zu unkonventionellen Mitteln: Der Verkauf von Schallplatten aus der Reihe „Super-Hitparade der Volksmusik“ mit einem Aufpreis von je drei D-Mark bringt der Stiftung 1992 eine Zuwendung in Höhe von 1,8 Millionen D-Mark. Und bis heute erweitern die Einnahmen aus der Lotterie „GlücksSpirale“, wo die Deutsche Stiftung Denkmalschutz seit 1989 Destinatär ist, den finanziellen Spielraum. Und der ist wichtig, denn nicht nur die Stiftung findet ihre Förderprojekte, manchmal ist es auch umgekehrt. Nämlich dann, wenn sie ein Denkmal erbt oder es ihr übertragen wird. Die unterschiedlichsten Immobilien befinden sich im Besitz der Stiftung – vom Schloss über das Bürgerhaus bis zum Leuchtturm. Viele dieser Objekte werden in Treuhandstiftungen verwaltet und durch sie erhalten. Andere könnten – je nach Schenkungsauflage – in die Obhut neuer Eigentümer entlassen werden, sofern sich geeignete Interessenten finden.

Eine dieser über 240 Treuhandstiftungen gibt es auch für das älteste erhaltene akademische Lehrgebäude Berlins, das „Tieranatomische Theater“ nahe der Charité. Als Institut für die Forschung der Gesundheit preußischer Armeepferde gegründet, finden hier schon lange keine Sektionen mehr statt. Vielmehr dient es heute für Ausstellungen und Veranstaltungen der Humboldt-Universität zu Berlin. Zukunft braucht Erinnerung, damit Geschichte lebendig bleibt, heißt es im Image-Film der Stiftung. Dieser Satz umarmt sie alle: Stifter, Förderer und alle, denen Zeitzeugen wichtig sind.

Für Fragen und weitere Informationen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung: Luzi Teber, Leiterin Marketing und Kommunikation, Weberbank Actiengesellschaft, Tel.: (030) 897 98 – 380, luzi.teber@weberbank.de

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