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Der Kommentar von Hannah Thielcke, Portfoliomanagerin Weberbank, zu den Entwicklungen an den Finanzmärkten vom 9. September 2022.

Der Kommentar von Hannah Thielcke, Portfoliomanagerin Weberbank, zu den Entwicklungen an den Finanzmärkten vom 9.September 2022.

Autorin: Hannah Thielcke, Portfoliomanagerin Weberbank
Beitragsfoto: Cineberg / Shutterstock

Rund um Energiekrise, Inflation und Rezessionssorgen gibt es mittlerweile fast täglich neue Nachrichten, die die Kapitalmärkte stark bewegen. In der heutigen Ausgabe von Finanzmarkt aktuell lesen Sie, wie wir die jüngsten Entwicklungen einschätzen.

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Gehen bald die Lichter aus?

Die Diskussionen rund um die Energiekrise stehen in Deutschland und in der Eurozone weiter im Fokus. Erste Energieeinsparmaßnahmen werden veröffentlicht und gehen in die Umsetzung. Die Unternehmen fragen bereits jetzt deutlich weniger Erdgas nach, da sie – wo möglich – auf andere Energieträger umsteigen. Zuletzt war die Nachfrage nach Erdgas um rund 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Wie wir mit diesen Maßnahmen durch den Winter kommen, und wie tief die Einschnitte für Privathaushalte und Unternehmen tatsächlich werden, hängt von vielen Faktoren ab und kann im aktuellen Umfeld nur schwer prognostiziert werden. Aktuell gehen Ökonomen sogar noch von einem leicht positiven Wachstum für die Eurozone im Jahr 2023 aus. Aus unserer Sicht ist das jedoch noch ein recht optimistisches Szenario, da mit den aktuellen Unterbrechungen der Gaslieferungen die Wahrscheinlichkeit für eine Rezession in Deutschland und im Euroraum angestiegen ist.

Notenbanken legen noch ein paar Schippen drauf

An dieser Stelle berichteten wir bereits von den Notenbanken, die sich im Zwiespalt zwischen hohen Inflationszahlen und einem Abkühlen des Wirtschaftswachstums befinden. Diese Thematik verschärfte sich zuletzt mit den Kommentaren seitens des Präsidenten der US-Notenbank (Fed) Jerome Powell auf dem jährlichen Treffen in Jackson Hole. Obwohl jüngste Inflationszahlen in den USA erste Abkühlungstendenzen zeigten, bekräftigte er die hohe Priorität der Inflationsbekämpfung und warnte vor schwachen Wirtschafts- und Arbeitsmarktdaten, die in Kauf genommen werden müssten. Diese harten Aussagen bergen in unseren Augen die Gefahr, dass die Fed die geldpolitischen Zügel zu stark straffen und die Wirtschaftsentwicklung damit abwürgen könnte. Die kommenden Inflations- und Arbeitsmarktdaten sowie die nächsten Fed-Sitzungen sollten hier mehr Klarheit schaffen, ob der Spagat in den USA gelingt. Frei nach dem Motto „besser spät als nie“ gab nun auch die Europäische Zentralbank (EZB) zu, die Inflationsdynamik in Folge der Coronakrise unterschätzt zu haben. Auch in der Eurozone weht den Anlegern damit nun seitens der EZB ein immer schärferer Wind entgegen. Auf ihrer gestrigen Sitzung bekräftigten die europäischen Notenbanker ihre Bereitschaft, noch schneller und aggressiver zu agieren, sollte dies notwendig werden. Auch die aktualisierten Schätzungen für die Entwicklung des Verbraucherpreisindex und des Bruttoinlandsprodukts in der Eurozone haben es in sich: So rechnet die EZB auch im kommenden Jahr mit einer Inflation von 5,5 Prozent und gleichzeitig einem Wirtschaftswachstum von lediglich 0,9 Prozent.

Die Stimmung ist schlecht

An den internationalen Kapitalmärkten reagieren die Anleger auf den Strom aus schlechten Nachrichten an allen Fronten, und so konnten seit Jahresanfang weder Aktien noch Renten überzeugen. Sowohl am US-Aktienmarkt als auch an den europäischen Börsen ist die Stimmung so schlecht wie lange nicht mehr. Das zeigen verschiedene Stimmungsbarometer. Mutige Optimisten sehen hier bereits Kaufsignale. Wir würden gerade für Europa noch zur Vorsicht raten und in Bezug auf Branchen und einzelne Unternehmen sehr selektiv Chancen nutzen. Der Konjunkturausblick könnte sich in Hinblick auf die beschriebenen Risiken noch deutlicher eintrüben. Auch bei Anleihen wirken die verschiedenen Risikoszenarien negativ. Die nun aktiv gewordenen Notenbanker sorgen für steigende Renditen bei deutschen Bundesanleihen und US-amerikanischen Staatsanleihen. Der Markt preist gleichzeitig Rezessionssorgen ein und lässt die Risikoprämien steigen. Gerade in den risikoreicheren europäischen Staatsanleihen wie beispielsweise den italienischen befinden wir uns bereits auf recht attraktiven Renditeniveaus, die lange nicht zu sehen waren. Auch bei europäischen Unternehmensanleihen mit hoher Bonität sind mittlerweile attraktive Risikoprämien zu vereinnahmen, wie wir sie in den letzten zehn Jahren nicht erlebt haben. Hier gilt jedoch wie bei Aktien: Chancen bei robust aufgestellten Emittenten selektiv nutzen und auf deutlich verschlechterte Fundamentaldaten im Falle einer Rezession vorbereitet sein!


Hannah Thielcke, Portfoliomanagerin Weberbank Actiengesellschaft

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