Finanzmarkt aktuell – der Kommentar der Weberbank

Finanzmarkt aktuell – der Kommentar der Weberbank


Nicht nur in den rheinischen Karnevalshochburgen werden dieser Tage launige Reden gehalten. Auch das britische Parlament präsentiert sich unterhaltsam und mit zynischem Witz. Wäre der Ernst der Lage nicht gegeben, könnte man sich genussvoll zurücklehnen und dem Schauspiel folgen. Wie wir die aktuelle Situation in Großbritannien sowie die Lage an den Kapitalmärkten einschätzen, und ob die negativen Vorlaufindikatoren der Wirtschaft kritisch zu bewerten sind, lesen Sie in dieser Ausgabe von Finanzmarkt aktuell.

Nicht nur in den rheinischen Karnevalshochburgen werden dieser Tage launige Reden gehalten. Auch das britische Parlament präsentiert sich unterhaltsam und mit zynischem Witz. Wäre der Ernst der Lage nicht gegeben, könnte man sich genussvoll zurücklehnen und dem Schauspiel folgen. Wie wir die aktuelle Situation in Großbritannien sowie die Lage an den Kapitalmärkten einschätzen, und ob die negativen Vorlaufindikatoren der Wirtschaft kritisch zu bewerten sind, lesen Sie in dieser Ausgabe von Finanzmarkt aktuell.

Text: Daniel Schär, Foto: Unsplash

Zeit zum Handeln für stolze Briten

Should I stay or should I go? – Der Song der britischen Rockband The Clash aus den 80ern könnte die Titelmelodie des Schauspiels sein, dass derzeit im Londoner Parlament aufgeführt wird. Die Briten hadern weiterhin mit dem BREXIT und die Zeit wird zunehmend knapper. Lediglich vier Wochen verbleiben bis zum offiziellen Austrittstermin. Die Premierministerin versucht unerschrocken weiter eine Entscheidung herbeizuführen. Am 14.3. will das Parlament erneut über das BREXIT-Abkommen mit der EU abstimmen. Scheitert die Abstimmung, muss sich das Parlament zwischen den Optionen „Austritt ohne Vertrag“ oder „Verschiebung des Austrittstermins“ auf Ende Juni entscheiden. Das politische Chaos führt schon jetzt zu deutlichen Bremswirkungen in der Wirtschaftsentwicklung. Die Autoindustrie schrumpft so stark wie seit 10 Jahren nicht mehr und die wichtige Finanzindustrie kehrt London immer häufiger den Rücken zu. Es ist höchste Zeit für die stolzen britischen Politiker, weniger an die eigenen Machtverhältnisse, als an die Zukunft des Vereinigten Königreichs zu denken.

Zarte Hoffnungssignale für die Wirtschaft

Die BREXIT-Thematik hat auch in der Eurozone deutliche Kratzer in der Stimmung der Wirtschaft hinterlassen. Gepaart mit dem Stimmungskiller Handelskonflikt sorgt die Unsicherheit dafür, dass die Mehrzahl der Frühindikatoren mittlerweile eine weitere wirtschaftliche Verlangsamung signalisiert. Neben dem deutschen ifo-Index hat sich auch der Konjunkturklimaindex der Europäischen Kommission weiter eingetrübt. Noch deckt sich die aktuelle Datenlage mit unserem Erwartungsbild eines schwächeren, aber positiven Wirtschaftswachstums. Es ist jedoch wichtig, dass in den kommenden Monaten eine Stabilisierung der wirtschaftlichen Aktivität, vor allem in der Industrie, einsetzt und sich die Stimmung wieder aufhellt. Erste zarte Hoffnungszeichen sind bereits im Automobilbereich erkennbar. Auch im für die deutschen Exporteure wichtigen China keimt die Zuversicht auf eine Stabilisierung. Der Handelskonflikt hat dem Reich der Mitte arg zugesetzt. Die Regierung hat zur Stützung der Konjunktur die Infrastrukturausgaben erhöht, Steuern gesenkt und die Kreditvergabe gelockert. Sollte jetzt auch endlich ein Handelsvertrag mit den Amerikanern gelingen, so wie es sich zunehmend andeutet, sollte sich das positiv auf die Wirtschaft auswirken.

Lagerbildung am Kapitalmarkt

Die Investoren an den Kapitalmärkten können sich aktuell nicht so recht entscheiden, in welches Lager sie sich schlagen wollen, das der Wirtschaftsoptimisten oder das der Pessimisten. Vor allem Anleger in verzinslichen Staatspapieren preisen weiterhin ein negatives wirtschaftliches Umfeld ein. Seit Jahresbeginn sind beispielsweise die Renditen deutscher Staatsanleihen auf den niedrigsten Stand seit 2016 gefallen und haben damit ihre Abwärtsbewegung aus dem vierten Quartal 2018 fortgesetzt. Unterstützt hat diese Entwicklung auch die Europäische Zentralbank (EZB), die nach dem Ende des Anleihekaufprogramms im Dezember vorerst keine weiteren geldpolitischen Straffungsmaßnahmen avisiert hat. Vielmehr wurde nach den schwachen Wirtschaftsindikatoren der letzten Monate eine erneute Lockerung durch günstige Refinanzierungsmöglichkeiten für Banken in Aussicht gestellt. Optimistischer sind hingegen die Inhaber von Risikoanlagen wie Aktien oder Unternehmensanleihen gestimmt. Seit Jahresbeginn stehen hier die Zeichen auf grün. Die Ankündigung der US-Notenbank, die Leitzinsen nur noch maßvoll anheben zu wollen, hat nach dem Straffungskurs des letzten Jahres für Erleichterung gesorgt. Viele Aktienmärkte konnten in diesem freundlichen Umfeld im zweistelligen Prozentbereich zulegen und einen großen Teil der Verluste aus dem Vorjahr gutmachen. Lediglich deutsche, britische und italienische Aktien hinken der Entwicklung hinterher. In allen drei Regionen sind es vor allem hausgemachte politische Probleme oder Abhängigkeiten von einzelnen Wirtschafsbereichen, die belastend wirken. Der positive Trend für Risikoanlagen wird sich in diesem Tempo allerdings nicht fortsetzen lassen. Zuerst gilt es einige politische Stolpersteine auf dem Weg zu beseitigen und eine Stabilisierung der Wirtschaftsdaten zu beobachten. Wir haben den Investitionsgrad in Risikoanlagen seit Jahresbeginn wieder gesteigert. Aufgrund der weiterhin vorherrschenden Unsicherheitsfaktoren erwarten wir jedoch eine hohe Schwankung an den Kapitalmärkten. Die Ausgewogenheit der Anlagen ist uns daher besonders wichtig. Einerseits sehen wir attraktive Investitionsmöglichkeiten in einzelnen Marktsegmenten, andererseits empfiehlt sich weiterhin Liquidität vorzuhalten, um für Kursrückgänge gewappnet zu sein.