Lasst sie gedeihen

Lasst sie gedeihen


Woran bemessen sich die ökonomische Stärke eines Standorts, einer Region, einer Stadt und die damit verbundene Anziehungskraft auf Unternehmen? Der Kommentar von Klaus Siegers, Vorsitzender des Vorstandes der Weberbank.

Woran bemessen sich die ökonomische Stärke eines Standorts, einer Region, einer Stadt und die damit verbundene Anziehungskraft auf Unternehmen? Sicher an vielen Faktoren; etwa dem Wert aller produzierten Waren und Dienstleistungen, den gezahlten Steuern, insbesondere Gewerbe- und Körperschaftsteuern, den Arbeitslosen- beziehungsweise Beschäftigtenquoten oder den Haushaltsnettoeinkommen. Gern genommen als Kriterium, weil plakativ, ist der Sitz großer Firmen. In Deutschland betrachtet man hierzu in der Regel die DAX-Konzerne, auch wenn bekanntlich der Mittelstand Rückgrat unserer heimischen Wirtschaft ist. Auch ich habe an dieser Stelle mehrfach darauf hingewiesen, dass Berlins ökonomische Stärken sicher nicht auf den Sitzen von DAX-Konzernen beruhen – es gab schlicht keine, nachdem Schering 2006 von Bayer übernommen wurde (dass Siemens auf dem Papier neben München auch Berlin als Sitz ausweist, habe ich bewusst ignoriert).

Dann aber, im vorigen Jahr, die Premiere: Mit der Deutsche Wohnen für Lufthansa und Delivery Hero für Wirecard hatte Berlin plötzlich gleich zwei Unternehmen im DAX. Per 20. September dieses Jahres nun erfolgte eine Erweiterung von 30 auf 40 Unternehmen. Die Reform der DAX-Familie gut 33 Jahre nach dem Start am 1. Juli 1988 hatte die Deutsche Börse im vergangenen Jahr wegen des Wirecard-Skandals beschlossen. Wer im Deutschen Aktienindex vertreten sein will, muss nun strengere Regeln erfüllen. Gleichzeitig ging es darum, die Wirtschaft repräsentativer abzubilden. Das kann man als gelungen bezeichnen, und damit sind wir wieder in Berlin, denn zwei der zehn Neuen haben ihren Sitz hier: Hello Fresh und Zalando. Drei der vier „Berliner“ verdienen ihr Geld online – willkommen im digitalen Zeitalter. Und Nummer vier ist als Immobilienunternehmen ebenfalls nicht dem produzierenden Gewerbe zuzurechnen. Hier ist ein Strukturwandel im Gange, und einer der Gewinner ist: Berlin.

Kern des Geschäftsmodells dieser Newcomer ist die IT. Mehrere Tausend Spezialisten betreiben von Berlin aus das weltweite Datenmanagement. Was als Start-up in Berlin beginnt, kann es, wie wir nun sehen, bis an die Spitze der deutschen Wirtschaft schaffen. Dies ist eine Erfolgsgeschichte, die es dringend fortzuschreiben gilt! DAX-Unternehmen müssen nicht nach Berlin gelockt werden, Berlin produziert sie selbst! Die hiesige Gründerszene muss also vital bleiben – das hat Hauptanliegen unserer Wirtschaftspolitik zu sein. Seit Jahren schon sind wir als Weberbank im engen Austausch mit jungen Unternehmerinnen und Unternehmern; den genannten Strukturwandel bekommen wir hautnah mit. Er hat nicht zufällig erheblichen Einfluss auf den Inhalt von diskurs, wie Sie auch im vorliegenden Heft bemerken werden. Erfolgreiche Unternehmen sorgen nicht nur für das Interesse von Investoren an einer Region, sie sorgen vor allem für Wertschöpfung – aus sich selbst heraus und durch die Folgeaufträge für ihre eigenen Dienstleister. Deshalb braucht Berlin Zentralen.

Diesen Beitrag lesen Sie auch in unserem Magazin diskurs Nr. 35. Bestellen Sie ein kostenloses Exemplar bei Roland Lis, Berater Privatkunden, Weberbank Actiengesellschaft, Tel.: (030) 897 98 – 403, E-Mail: roland.lis@weberbank.de 

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