Wie viel Stadt braucht die Kreativität?

Wie viel Stadt braucht die Kreativität?


Immer mehr Kreative kehren Berlin den Rücken, um auf dem Land neue Wohn- und Arbeitsprojekte zu entwickeln. Hat sich die vibrierende Metropole als Inspirationsquelle überlebt?

Immer mehr Kreative kehren Berlin den Rücken, um auf dem Land neue Wohn- und Arbeitsprojekte zu entwickeln. Hat sich die vibrierende Metropole als Inspirationsquelle überlebt?

Text: Anke Bracht, Foto: Matthias Haltenhof

Die Großstädte boomen, das platte Land schrumpft – so lässt sich der demografische Wandel hierzulande in eine Formel packen. Noch, möchte man nachsetzen, denn damit könnte es bald vorbei sein: Ein Gegentrend kündigt sich an. So lautet das Fazit einer Gemeinschaftsstudie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung und dem Berliner Think Tank Neuland 21, die im August 2019 veröffentlicht wurde.

Kommunen erkennen die Chance der klaren Positionierung

Seit Jahren kämpfen vor allem die ländlichen Gebiete abseits der Großstädte in Ostdeutschland gegen Abwanderung und Überalterung. Um diesen Abwärtstrend zu stoppen, bedarf es einer klaren Positionierung als Gegenentwurf für das Leben in der Stadt, das haben viele Kommunen inzwischen verstanden – und werben für Naturnähe, mehr Freiräume und günstigen Wohnraum. „Das neue Dorf lässt sich allerdings nicht am Reißbrett erfinden,“ meint Reiner Klingholz, Direktor des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwick-lung. „Lebenswerte Orte entstehen dort, wo sich Menschen mit neuen Ideen und Projekten ans Werk machen und eine Perspektive für sich und andere schaffen.“

Das Landleben rückt in den Folus eines urbanen Milieus

Die Studie „Urbane Dörfer – wie digitales Arbeiten Städter aufs Land bringen kann“ betrachtet 18 Projekte in Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Sie zeigen, wie das Landleben in den Fokus eines traditionell urban geprägten Milieus rückt: Viele der Stadtmüden stammen aus Kreativ- und Wissensberufen, und können örtlich flexibel ihrem Job nachgehen. Dabei wollen sie jedoch nicht alleine sein, sondern suchen Gleichgesinnte. „Die ländlichen Digitalarbeiter bringen ein Raumkonzept aus den Städten mit aufs Land: Coworking Spaces,“ sagt Silvia Hennig, Gründerin von Neuland 21.

Neue Arbeits- und Wohnkonzepte machen das Land attraktiv

Rund zwei Dutzend Kreativorte haben sich in den letzten zwei Jahren allein rund um Berlin angesiedelt. Das Angebot reicht von Coworking- über Event- und Seminarflächen bis zu Unterkünften mit Vollverpflegung. Zu den ältesten Projekten gehört das „Oranienwerk“. Seit 2011 findet hier der Austausch mit Kreativen statt. Auf dem Fabrikareal des ehemaligen Kaltwalzwerks Oranienburg bieten Atelierräume und Werkstätten, Coworking-Flächen und ein Veranstaltungssaal viel Raum für Begegnungen. Auch der „Havelprater“ in Briest am Havelsee – hier wohnen und arbeiten die Gäste in einer ehemaligen Kirche – oder das Gästehaus „Tereza“, das im ehemaligen Pferdestall auf dem Gut Stolzenhagen im Odertal untergebracht ist, locken mit der Kombination aus Architektur, digitaler Anbindung und Naturerlebnis.

Konzentriertes Arbeiten ohne jede Ablenkung

Arbeiten mit Abstand vom Alltag: Damit sprechen die neuen Kreativorte in Brandenburg eine Klientel an, die bislang nach Thailand oder Südamerika flog, um Job und Erholung zu verbinden. Zu den bekanntesten zählt das Coconat Workation Retreat im Gutshof Glien bei Bad Belzig, gut eine Stunde Fahrtzeit von Berlin entfernt. 2017 eröffnet, hat sich der kreative Rückzugsort auch international einen Namen gemacht. Mehr als 2000 Gäste kamen 2018 nach Coconat, um sich bei Übernachtung mit Vollpension konzentriert der Arbeit zu widmen – ohne von Telefonklingeln oder Wäschebergen gestört zu werden. Das neue Landleben, es hat begonnen.

 

Für alle Fragen rund um Ihr Vermögen steht Ihnen Roland Lis, Berater Privatkunden, Weberbank Actiengesellschaft, telefonisch und per E-Mail zur Verfügung: Tel.: (030) 897 98 – 403, E-Mail: roland.lis@weberbank.de

 

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