Software gegen den Klimawandel

Software gegen den Klimawandel


Hannah Helmke ist Co-Gründerin und Geschäftsführerin der right. based on science GmbH, einem Anbieter für Klima-Metriken und Software. Unter ihrer Führung wurde das Unternehmen mit dem renommierten Next Economy Award 2020 ausgezeichnet.

Hannah Helmke ist Co-Gründerin und Geschäftsführerin der right. based on science GmbH, einem Anbieter für Klima-Metriken und Software. Unter ihrer Führung wurde das Unternehmen mit dem renommierten Next Economy Award 2020 ausgezeichnet.

Text: Redaktion BBE, Foto: Farideh Fotografie

Hannah Helmke, ausgezeichnet mit dem Digital Female Leader Award 2020 in der Kategorie „Sustainability“, folgt der Überzeugung, dass eine wissenschaftliche Herangehensweise der beste Weg ist, das emotionale Thema Klimawirkung in der Unternehmensentwicklung zu bewältigen. Im Interview spricht die Co-Gründerin und Geschäftsführerin von right. based on science über Herausforderungen, Ziele – und was sie an ihrer Arbeit begeistert.

Frau Helmke, für alle, die Ihr Unternehmen noch nicht kennen, was genau macht right. based on sciene?

Wir bieten Analysen und Software an, um den Beitrag von Unternehmen oder Investments zum Klimawandel zu berechnen. Ganz konkret: in Grad Celsius.

Was machen Sie anders als andere Anbieter in dem Segment?

Wir setzen da an, wo das Carbon Footprinting aufhört. Ausgehend von den Emissionswerten und der Bruttowertschöpfung analysieren wir die Klimawirkung einer Firma, eines Investment- oder Kreditportfolios. In anderen Worten: Wir kalkulieren mit unserem X-Degree Compatibility (XDC) Modell, mit wie viel Grad Celsius globaler Erwärmung eine wirtschaftliche Einheit vereinbar ist und ob sie damit den Zielen des Pariser Klimaschutzabkommens entspricht. Man nennt das auch Temperature Alignment.

Mit unserer Software können Unternehmen prüfen, ob ihre Klimastrategie bereits ausreicht, um auf Paris-Kompatibilität zu kommen, oder ob eine bestimmte Investition zu ihrem gesetzten Klimaziel passt.

Für Finanzakteure haben wir eine brandneue Software entwickelt, die sowohl das Temperature Alignment eines ganzen Portfolios als auch das der darin enthaltenen Einzelwerte berechnet. So können Asset Manager ihre Portfolios mühelos auf ‚Paris-Konformität‘ steuern.

Warum sollte ich mich als Unternehmen für right. based on science entscheiden?

Unsere Methode folgt der gleichen Logik wie der EU Green Deal: Es geht um die Entkopplung von wirtschaftlichem Erfolg (Bruttowertschöpfung) und Emissions-Ausstoß. Mit diesem Fokus auf die Wertschöpfung sprechen wir die ‚Sprache‘ der Unternehmen.

Zugleich steigt das Interesse an Temperature Alignment Metriken aus dem Finanzmarkt heraus sehr stark. Das zeigen internationale Zusammenschlüsse wie die „Klimaschutz-Selbstverpflichtung des Finanzsektors“ oder die Net-Zero Asset Owner Alliance. Und zu guter Letzt erzählt eine Grad Celsius-Zahl einfach eine starke Geschichte, die sowohl meine Kund*innen als auch meine Mitarbeitenden überzeugen kann. Was reißt mehr mit? „Wir sparen jedes Jahr 200 Tonnen CO2 ein.“ oder „Wir sind ein 1,5°C-Unternehmen.“?

Wie kam es dazu, dass Sie das Unternehmen gegründet haben? Gab es eine persönliche Erfahrung?

Das war vor allem die Erkenntnis, dass wirtschaftliche und unternehmerische Entscheidungen immer noch viel zu selten auf wissenschaftlicher Basis getroffen werden. Nicht aus mangelnder Bereitschaft, sondern aus mangelndem Verständnis. Es braucht also eine wissenschaftsbasierte Metrik, die zugleich Komplexität reduziert und unternehmerisches Handeln ermöglicht. Für uns ist das °C.

Was waren / sind die größten Herausforderungen in Ihrem Segment?

Die Unsicherheiten. Wir arbeiten mit zukunftsgerichteten Metriken. Klimawissenschaft, Emissionsdatenerhebung, Reporting-Standards – das alles ist noch in Bewegung und Entwicklung. Diese Unsicherheiten und Komplexitäten müssen gemanagt und methodisch gut aufgefangen werden. Deshalb haben wir auch ein dynamisches Modell, das solche Anpassungen aufnehmen kann.

Was sind Ihre langfristigen Ziele?

Das Fernziel ist, dass unser X-Degree Compability (XDC) Modell zum Standard für das Temperature Alignment wird. Dafür arbeiten wir eng mit der Wissenschaft, Realwirtschaft und Finanzwirtschaft zusammen, um die Anwendbarkeit und Skalierbarkeit des XDC Modells zu erweitern. Aus dem Grund wird das XDC Modell Ende 2021 auch als Open Source Projekt veröffentlicht – so wollen wir Expert*innen und Entrepreneur*innen aller Disziplinen einladen, das Potenzial des XDC Modells voll auszuschöpfen. Denn den Übergang in eine Zukunft deutlich unter 2°C schaffen wir nur, wenn alle Akteure – Wissenschaft, Realwirtschaft, Investment, Regulatorik, Politik und Zivilgesellschaft zusammenarbeiten.

Für alle Fragen rund um Ihr Vermögen steht Ihnen Roland Lis, Berater Privatkunden, Weberbank Actiengesellschaft, telefonisch und per E-Mail zur Verfügung: Tel.: (030) 897 98 – 403, E-Mail: roland.lis@weberbank.de

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