Sammlung Ivo Wessel

Sammlung Ivo Wessel


In seinem Moabiter Loft sammelt der Programmierer Ivo Wessel Foto-, Video- und Konzeptkunst. Auch seine umfassende Literatursammlung hat dort noch Platz.

In seinem Moabiter Loft sammelt der Programmierer Ivo Wessel Foto-, Video- und Konzeptkunst. Auch seine umfassende Literatursammlung hat dort noch Platz.

Text: Birgit von Heintze, Foto: Magnus Pettersson

Wer den App-Entwickler Ivo Wessel in seinem Loft im zweiten Stock einer wilhelminischen Backsteinfabrik in Berlin-Moabit besucht, betritt das Refugium eines begeisterten Kunst- und Literatursammlers.

In der lichten Etage befindet sich ein Teil seiner über 120 Künstler umfassenden Sammlung, dicht an dicht – selbst unter der Decke – in der von Wessel bevorzugten Petersburger Hängung. Neben konkreter Malerei, Fotografie und Konzeptkunst begeistert sich der Softwareentwickler vor allem für Videokunst. Darunter sind Arbeiten von Via Lewandowsky, Sven Johne, Julian Rosefeldt, Wim und Donata Wenders, Camill Leberer, Ottmar Hörl.

Der gebürtige Paderborner hat eine Vorliebe fürs Schräge, zumindest in der Kunst, die er seit mehr als 35 Jahren sammelt. Sein Lieblingsstück ist immer das zuletzt erworbene: aktuell „Sucu Mate“, ein Mikrofilm-Lesegerät von Luke Willis Thompson. Den 53-Jährigen interessieren vor allem die Geschichten dahinter, die Inhalte zählen und nicht die Namen. Das gilt auch für seine Büchersammlung. Die Bibliothek umfasst 500 Regalmeter, die sich 3,50 Meter hoch bis an die Decke seines Lofts stapeln, vor allem Prosa, etwa Marcel Proust, James Joyce, Arno Schmidt, Robert Musil, Boris Vian, Karl Kraus. Flohmarktfunde ebenso wie Erstausgaben der Werke Oscar Wildes und alles von Eckhard Henscheid. Von Lieblingsbüchern hat er gern mal mehrere Exemplare.

Die Sammelleidenschaft scheint in Wessels DNA verhaftet. Aufgewachsen in einem kunstaffinen Elternhaus, besucht er mit zwölf Jahren im Schlepptau der Mutter seine erste documenta, die bedeutende Ausstellungsreihe für zeitgenössische Kunst. Als Schüler führt er Lötarbeiten aus, leistet sich 1979 vom Verdienst seinen ersten Computer – einen Sharp MZ-80K. Er schreibt Software und Bücher und studiert nebenbei 34 Semester Informatik und Psychologie. Den Sharp hat er heute noch, denn Ivo Wessel kann sich nur schwer von Dingen trennen. Konsequenterweise trennt er sich auch nicht von Kunst. Er bewahrt und vermehrt – und entwickelt iOS-Apps, aktuell eine für die Kunstszene, und Skills für Amazons Alexa.

Und wozu rät Ivo Wessel jungen Sammlern, die Kunst kaufen möchten? Er beruft sich auf Lawrence Weiners Devise „Learn to read art“: „Splitte den Betrag, reise nach Venedig, kaufe Editionen, studiere Kataloge, besichtige Museen, unterstütze Galerien. Investiere nicht in Kunst, sondern in Know-how.“

Ivo Wessel iCodeCompany Lehrter Straße 57, Haus 2, Etage 2 10557 Berlin Tel.: 030 89626477

Der vollständige Artikel erschien in unserem Magazin diskurs Nr. 28. Für weitere Fragen und ein kostenloses Exemplar wenden Sie sich an Andrea Schruff, Private Wealth, Weberbank Actiengesellschaft, Tel: (030) 897 98 – 514, andrea.schruff@weberbank.de

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